„Kuck mal, die Frau da drüben, ...

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„Kuck mal, die Frau da drüben, ... | story.one

die ...“ sagte ein Mann zu seiner Frau und zeigt dabei völlig erstaunt auf mich. Doch das ist bereits das Ende der Geschichte. Der Anfang war dieser:

Eines schönen Tages konnte und wollte ich nicht mehr anders: ich fuhr alleine in die Berge. Ja, das stimmt, das tut man nicht. Nur wenn man (in dem Fall konkret ich) das nicht tut, dann kommt man (also ich) auch nicht in die Berge.

Im Ausgleich zu diesem „das tut man nicht“ (was ja durchaus auch Sinn macht!) legte ich folgendes in meine imaginäre Gedankenwagschale (dann wäre ich im worst case wenigstens mit gutem Gewissen allein und hilflos am Berg zurück geblieben...):

Mit der Bahn zum Berg - alleine ein ökologisches Riesenplus - Ökocheck: check

Karte in doppelter Ausführung - Wanderführer (leider nur in Buch- nicht in Personenform) für die Details und AV-Karte für die Übersicht - Orientierung: check

Essen - ein großzügiger Vorrat, der später noch eine essentielle Rolle in dieser Geschichte spielen wird, wird liebevoll von mir zusammengestellt und eingepackt - Versorgung: check

Bescheid geben wo ich gehe, erste Hilfe Set dabei, Handy dabei. Sicherheit: check(lein)

Eine Tour in den Wiener Hausbergen, die mit der Bahn gut erreichbar war, war schnell gefunden. Das Wetter war herrlich und vor allem stabil angesagt und die letzten Zweifel verkrümelten sich in die hinterste Ecke.

Los ging’s! Mit der Bahn nach Payerbach, über die Bodenwiese zum Friedrich Haller Haus und über den Promischka Graben zurück. Dank AV-Karte und Wegweisern fand ich den Weg mit einem kleinen unabsichtlichen Umweg zu Beginn gut und konnte fast alles genießen: die Bewegung, die frische Luft, die Aussicht, die Berge und das gute Essen auf beim Friedrich Haller Haus. Die Zweifel nagten jedoch immer mal wieder: „wenn du jetzt...“ Puh, da war ich offensichtlich sehr gut drauf konditioniert, auf dieses „niemals alleine in die Berge“.

Im Zug zurück nach Wien kam ich dann endlich innerlich zur Ruhe, ich hatte meine Solo-Tour überlebt und war nun wieder völlig in Sicherheit. Und ich hatte noch einen Rucksack voll mit Essen. Das hatte ich auf der Tour nicht angerührt, weil ich in meinem Unsicherheitszweifel nicht so wiklich Hunger hatte und weil es auf der Hütte gutes Essen gab (da war ich ja zumindest kurz in Sicherheit).

Ich holte mein Buch aus dem Rucksack und das Essen. Was ich gelesen habe, weiß ich nicht mehr, was ich gegessen habe schon: Paprika, Apfel, Nüsse, Trockenfrüchte, Käsebrote, Schokolade. Während des Lesens wanderte ein Haps nach dem anderen in meinen Mund.

Und als wir in den Bahnhof Wien Meidling einfuhren zeigte ein Mann, der mit seiner Frau in meiner Nähe saß, völlig erstaunt auf mich und sagte zu seiner Frau: „Du, die Frau da drüben, die isst, die isst seit wir los gefahren sind!“ Und in dem Moment wusste ich: „Ja, Recht hat er! Es ist ja auch wichtig sich gut zu versorgen und das kann ich auf jeden Fall, wenn es ums Essen geht!“

© Claudia Schwarz 05.04.2020