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Alljährlicher Traumurlaub

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Alljährlicher Traumurlaub | story.one

Ich sitze im Leiterwagerl und grinse meinen Papa an - meinen Held, der mich mitsamt den Milchkannen zum Bauernhof zurück rumpelt. Meine Mama zeigt mir stolz den Bauernhof, auf dem schon sie die Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. In meinem ersten Lebensjahr beginnt die Vorfreude auf diesen alljährlichen Urlaub.

Gemeinsam mit meinem ersten Freund und meinem, um elf Jahre jüngeren Bruder, verbringen wir wieder einmal eine Sommerwoche auf unserem Bauernhof. Jeder Tag ist voller Programm und die drei Bauernhofkinder begleiten uns gern.

Mit den Jahren wird für mich die Mithilfe im Stall interessanter als die Ausflüge. Ich will unbedingt mithelfen! Meine erste Aufgabe besteht darin, die Kühe von der Weide zu holen. Kann doch nicht so schwer sein! Falsch gedacht! Denn nachdem ich immer die selbe Kuh zum Weitergehen antreibe, merke ich, dass ich mich mit allen Kühen im Kreis drehe. Keine einzige schlägt den Heimweg ein. An diesem Tag muss der Bauer lange auf seine Kühe warten, doch schließlich bringe ich alle wohlbehalten in den Stall.

Ich werde dimplomierte "Stallausmisterin" und brauche für diese einfache, aber körperlich anstrengende Arbeit leider immer so lang, wie die Bauersleute zum Melken aller Kühe. So ist es mir leider nie vergönnt beim heißersehnten Melken zu helfen.

Nach einigen Sommern der fleißigen Arbeit werde ich mit einem Schultertippen, gefolgt von den Worten "Magst helfen?" zur Melkassistentin befördert. Von nun an gilt es die Nummern der "braven Kühe" auswendig zu lernen, um das Melken möglichst ungefährlich zu perfektionieren.

Meinen Umgang mit den Kühen durfte ich bei einer Rinderschau zeigen. Tage davor gingen wir mit den ausgewählten Kühen rund um den Hof spazieren, damit sie diese Prozedur gewohnt wurden. Dann kam mein großer Auftritt. Meine Kuh Friola, die während den Probe-Spaziergängen immer kuhfromm neben mir her ging, war von den vielen Menschen und der Lautstärke dermaßen verwirrt, dass sie mir ausbüxte. Blöd nur, dass jetzt die Siegerkuh fehlte! Gut, dass sie ein erfahrener Bauer wieder einfing und wir zum Siegerfoto schritten durften.

Vor einigen Jahren stand ich mit meinen zwei Mädls im Melkstand, damals 1 und 3 Jahre alt. Die ältere zeigte die selbe Wissbegierde wie ich und ich grinste sie stolz an. Dieses Grinsen verschwand, als der Bauer mit einem "Du schaffst das schon!", aus dem Melkstand verschwand. So fand ich mich allein mit den Kühen und zwei Kindern wieder, von denen eines das Melkfett entdeckt hatte, um sich damit am ganzen Körper einzuschmieren. Ich machte mich ans Werk. Der Bauer war zufrieden, die Kühe gemolken, mein Mädl versuchte sich gerade das Melkfett mit Wasser abzuwaschen und ich war ziemlich verschwitzt, aber glücklich.

Schon jetzt fragen meine Kinder, wann endlich wieder Sommer ist und wir auf unseren Bauernhof fahren können. Ein Wiedersehen, eine herzliche Umarmung, viel Lachen, die Tiere und das Gefühl Zuhause zu sein - das ist unser wiederkehrender Traumurlaub!

© Connymuckl 07.03.2020

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