Gefahr im Wald

Weil ich oft tagelang in unbekannten Naturwäldern unterwegs bin, werde ich immer wieder gefragt, ob es denn nicht gefährlich sei, ob ich nicht Angst habe? Nein! Und dennoch ist mir schon einiges "passiert" und man sollte tatsächlich auch in unseren versteckten Wäldern aufpassen. Das möchte ich hier näher erläutern!

Ich hatte mein Teleobjektiv gerade aufgeschraubt und die Bache im Auge. Als ich abdrücken wollte, stürmte die mächtige Wildsau auf mich zu. Es waren vielleicht 100 Meter, aber sie kam mit unheimlicher Geschwindigkeit näher. Jetzt erst realisierte ich, dass sie mich meinte und ich habe in den nächsten Sekunden meinen Schulrekord des 100Meter Laufes eingestellt, samt Stativ und Kamera. Hinter einer starken Eiche versteckte ich mich, das Tier stand 10 Meter vor mir und schaute mich kurz an, bevor sie davon trottete. Es ging ihr nur um die Verteidigung ihres Revieres, wo sie in Zukunft ihre Frischlinge großziehen wollte, sie wollte mir Respekt einflössen, sie hätte mich nie angegriffen. Die wahren Abenteuer sind nicht nur im Kopf sondern passieren auch im Wald.

Ich hörte Bären brüllen (im Engadin) ich fand Wolfspuren (im Calanda-Gebirge) und ich entdeckte Luchs-Losung (im Mellental) aber ich sah sie nicht, obwohl sie mich schon lange beobachtet haben. Wildtiere, vor allem Raubtiere, sind sehr scheu und meiden den Menschen. Überall und vor allem in Mitteleuropa, wo der Raum schon sehr eng geworden ist.

Lustigerweise wurde ich schon von einem aggresiven Rehbock mit seinen spitzen Kriken ins Gebüsch gedrängt, von Kühen attakiert (die ihre Kälber schützen wollten) und von etlichen abgeleinten Hunden angebellt oder gebissen, denen ich auf meinen Wanderungen begegnet bin. Aber wirklich gefährlich wurde das nie.

Worin besteht denn also wirklich die Gefahr? Ich laufe sehr viel barfuß durch unsere Wälder und mit der Zeit geht das sehr gut. Man schaut genau auf den Boden, ist sehr leise und behutsam und vielleicht auch etwas langsamer, aber dafür wird man mit ungeplanten Tiersichtungen belohnt. Obwohl ich wesentlich mehr Schlangen (auch giftige) entdecke, flüchten diese immer vor dem Riesen Mensch. Dornen und Bienen werden manchmal stechend, aber die Lederhaut der Fußsohlen wehrt sich erfolgreich. Wirklich gefährlich sind Glas-Scherben und offene Aludosen, die Menschen wegwerfen.

Natürlich "sammle" ich Zecken, wobei diese tatsächlich weniger im Wald, als vielmehr im Waldsaum oder auf Streuwiesen leben, wo sie sich gerne an fellige Säugetiere klammern. Ich bin nicht geimpft und entferne am Abend diese unnötigen Tiere aus meiner Haut. Fertig.

Ja, und manchmal verirre ich mich oder rutsche in Erdlöcher, Wurzelhöhlen oder Schnee-Untiefen. Da kann ein Handy mit Navi von Vorteil sein. So habe ich schon viele Tage in Wäldern gelebt und natürlich auch genächtigt und bin so fit und gesund wie nie zuvor.

© Conrad Amber