Ist sieben meine Glückszahl?

Ob das Glück bringt, fragte meine innere Stimme? Mit sieben Frauen, jede mit einer Tasche, in welcher ein Manuskript eines Koch-oder Gartenbuches ruhte, wartete ich im Empfangsraum des großen Fachbuchverlages.

Unangemeldet, ungeduldig, einige Stunden lang. Die Autorinnen hatten ihre Termine, sie wurden vor mir aufgerufen. Ich war der coole Nichtangemeldet-Typ, der mit seinem Meisterwerk erscheint und der mit höfischem Zeremoniell begrüßt und gestreichelt werden möchte. Sie alle haben darauf gewartet, endlich deinen Bildband „Baumwelten“ zu verlegen. So zumindest habe ich mir das auf der Anreise ausgedacht. Die Geschichten, die das Leben schreibt. Das kann ich auch.

Zuvor war ich in Frankfurt und davor in Stuttgart. Ich hatte mir die Verlage, die für mein Thema in Frage kommen, schon lange ausgewählt. Weder auf Telefonate noch auf freundliche Emailanfragen habe ich Antwort bekommen. Als Erstautor ohne Referenzen oder Empfehlungen, die bestimmt helfen würden, tut man sich schwer. 7 Musterbücher habe ich mir deshalb in einer kleinen Druckerei anfertigen lassen, unter den Arm geklemmt und frisch und froh zu den Verlagen gefahren. Man wird mich ohne Termin nicht rauswerfen. Immerhin bin ich viele Kilometer gefahren und jetzt einfach hier. In einem Verlag bin ich solange in WC – Nähe gesessen, bis die zuständige Lektorin vorbei gekommen war, die ich mit einem Feuerwerk sympathischer Wortschwälle überzeugen konnte, sich 7 Minuten meinem Thema anzunehmen. In einem anderen Verlag habe ich mich am Empfang vorbeigeschlichen und solange Türschilder gelesen, bis ich in der in der richtigen Abteilung war. Ohne zu Klopfen bin ich eingetreten...“Entschuldigung, bin ich hier richtig? Ich wollte mein Buch vorstellen und mir hat man vorne gesagt, hier sind die kompetenten Fachmenschen“ (ersteres war gelogen, zweiteres hat wirklich zugetroffen).

Nun irgendwie hatte ich es nach einigen Tagen geschafft, meine Musterbücher sind in den jeweiligen Lektoraten der besten Verlage gelegen und man würde sich dann wieder melden. Man müsse mit Marketing und anderen Instanzen reden usw.

7 Wochen Stillschweigen.

Die Zeit, die Verlage, die Lektoren waren wohl noch nicht so weit, ich war vor der Zeit und müsste das Buch im Eigenverlag produzieren. Aber wie? Das ist der Moment, in dem man glaubt, dass 7 Jahre Arbeit umsonst gewesen sind. Sieben- das war doch auch mal meine Glückszahl oder doch nicht?

Innerhalb einer Woche meldeten sich alle drei Verlage, jeder wollte das Buch verlegen. Ich konnte mich nicht nur in meinem Selbstwert sonnen sondern auswählen. Ein herrliches Gefühl. Ich habe mich dann für den Verlag in Stuttgart entschieden, eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue. Dennoch waren es ab der Zusage noch fast ein Jahr Arbeit, bis das Buch erschienen wurde und zum Bestseller in seiner Sparte wurde. Inzwischen gibt es schon die 2. Auflage.

Sieben ist eine gute Zahl!

© Conrad Amber