Das Leben von Frieda S.

Die Person, die ich interviewte war meine 77-jährige Oma Frieda S. Ursprünglich kommt sie aus Handenberg, einer oberösterreichischen Gemeinde im Bezirk Braunau, jetzt jedoch lebt sie in Jeging. Die Frau wohnt in einem alten Bauernhaus mit einem kleinen Garten und ihre 6 Kinder besuchen sie fast täglich.

Als ich sie nach ihrer Schulzeit fragte, erklärte sie mir, dass es zu ihrer Zeit nur acht Pflichtschuljahre gab. Die Volksschule und die Hauptschule waren in einem Haus und aufgrund der wenigen Lehrkräfte wurden die ersten vier Klassen zusammengelegt. Ab der fünften Klasse wechselte man den Klassenraum und man wurde erneut mit den anderen Klassen zusammengelegt. Als Jause bekam sie jeden Tag einen Apfel und zwei Scheiben Brot, was für damaligen Verhältnisse gar nicht wenig war. Da ihre Familie damals noch kein Auto besaß, musste sie täglich mehrere Kilometer barfuß zur Schule gehen, was für sie jedoch kein Problem war, denn sie war immer in Begleitung mit ihrer Schwester.

Beim Essen war ihre Familie ein absoluter Selbstversorger, denn sie dörrten ihre Zwetschken und Birnen, um sie länger haltbar zu machen, machten selbst Kekse und Kletzl zu Weihnachten und stachen immer selbst ihr Vieh ab. Damals wurde sehr saisonal gegessen, also immer das, war da war. Zu Mittag gab es oft etwas Fleischiges, wie z.B. ein Bratl oder ein Henderl. Zum Abendessen gab es oft Wuchteln, was heute immer noch das Lieblingsgericht meiner Großmutter ist. Die erste Orange wurde ihr von einem Amerikaner gegeben, was ihr damals überhaupt nicht schmeckte. Ihre erste Flasche Cola trank sie in einem Wirtshaus, die noch mit Kronenverschluss war.

Als ich sie nach dem damaligen Umgang mit Geld fragte musste sie schmunzeln. „Was für ein Geld?“ lachte sie, „Es gab nur den Tausch!“ Sie erklärte mir, dass es zwar schon den Schilling gab, dieser jedoch nur sehr selten hergenommen wurde wie z.B. beim Steuer zahlen. Sie bekam auch kein Taschengeld und Versicherungen kannte damals noch keiner.

Meiner Empfindung nach hatte meine Oma ein sehr schönes und friedvolles Aufwachsen. Ihre Familie war weder arm noch reich und das beweist, dass Wohlstand nicht immer glücklich macht und das die besten Dinge im Leben unbezahlbar sind.

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