Zahn um Zahn

Mundhygiene ist mir zuwider, aber ich habe mich breitschlagen lassen. Die Zähne sollen ja vieles im Körper beeinflussen. Starke Beruhigungsmittel würden helfen, eine Vollnarkose ebenfalls, mir schwitzen die Hände und ich friere gleichzeitig.

Du öffnest die Tür, sehr zackig, unfreundlich, treibst mich an, schnell einzutreten, obwohl ich gehbehindert bin. Ein Erlagschein wird mir umgehend in die Hand gedrückt, ich drücke meine Angst aus, du ignorierst mich. Ich setzte mich vorsichtig auf den Stuhl, werde unwirsch nach hinten gekippt, bekomme ein Lätzchen ungehängt. Du packst deine Folterinstrumente aus. Ich könnte jederzeit abbrechen, müsste jetzt nur den Mund weit aufmachen, heißt es. Noch vertraue ich notgedrungen. Was sollte ich auch sonst tun? Davonrennen wäre eine Option.

Dieses hohe Geräusch lässt mich erzittern, der Schmerz ist grauenvoll, ergreift meinen gesamten Kopf. Ich versuche, dich zur Aufgabe zu bringen, habe aber keine Chance. Du quälst mich gnadenlos weiter. Ich rutsche im Zahnarztstuhl weit nach unten, es nützt gar nichts. Du gräbst und kratzst weiter an meinen Zähnen, beschwerst dich dauernd, wie wenig gepflegt sie wären. Ich bin dir völlig ausgeliefert, will nur mehr weit weg von hier. Ich sterbe tausend Tode, mein Kopf dröhnt, aus meinem Mund tropft Blut.

Irgendwann lässt du dann doch von mir ab und ich hätte dich gerne umgehend ermordet. Nie wieder so eine Tortur!

© Dagmar Rieger