#eigenartig #normalanders

Der perfekte Tag

  • 113
Der perfekte Tag | story.one

Alle Fröhlichkeit an einem Tag zerstört, das wünscht sich niemand. Ich war stolze Besitzerin von ein paar Turnschuhen. Sie standen bei mir im Flur, startbereit für den Gang nach draußen. Da ich an diesem Tag noch einiges zu besorgen hatte, schlüpfte ich hinein und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Ich betrat den Drogeriemarkt und fischte mir ein Deo aus dem Regal, ging zur Kasse und zahlte. Den Beleg steckte ich sicherheitshalber in die Tasche und ging zum Ausgang.

Den Blick, der mit offenem Mund an der Kasse sitzenden Kassiererin, ignorierte ich. Es war für mich nicht neu, dass es ständig piepste, wenn ich ein Geschäft betrat oder verließ.

Die Kassiererin dachte wohl, ich hätte etwas gestohlen und forderte mich auf, die Tasche zu öffnen. Ich legte das Deo samt Kassenbon auf den Tisch und ignorierte das nervige Geräusch der Alarmanlage, als ich das Geschäft verließ.

Warum ich ausgerechnet noch an diesem Tag das Sportgeschäft in der oberen Etage aufsuchte, ist mir bis heute noch nicht klar. Die Turnschuhe, die ich an den Füßen trug, waren noch ganz o.k. Jedoch, als ich das Geschäft betrat, ertönte schon wieder das unangenehme Geräusch, und im selben Moment hörte ich die Stimme der Verkäuferin.

"Stehenbleiben", rief sie in einer Lautstärke, sodass ich erschrak.

"Warum?", fragte ich nichtsahnend. "Ich habe doch nichts gestohlen."

"Das behaupten alle."

Nur nicht in die Luft gehen, dachte ich genervt und stellte mich vor den Ladentisch.

"Geben Sie mir mal den linken Schuh", sagte sie.

"Warum?", fragte ich.

"Den Schuh bitte. Den linken."

"Ich denke nicht daran", war meine Antwort. "Ich bin doch keine Elster auf Beutezug."

"Den Schuh bitte", sagte sie im barschen Ton.

Wütend schmetterte ich ihr den linken auf den Tresen, und sie fuhr sogleich über den Scanner. Nicht passierte.

"Den rechten bitte.

"Nein", sagte ich aufgebracht. "Wozu?"

"Dann muss ich die Polizei rufen", sagte sie ungehalten.

"Tun Sie das, erwiderte ich. "Ich habe nichts gestohlen. Die Turnschuhe habe ich schon vor vielen Jahren bei Ihnen gekauft."

Ich zog genervt den rechten aus, donnerte ihn auf den Tisch und starrte an die Decke.

"Entschuldigung", sagte sie plötzlich mit freundlicher Stimme. "Hier haben wir den Übeltäter. Sie hielt mir einen kleinen Chip unter die Nase und lachte. Manchmal steckt er sogar in der Sohle und dann ist es unmöglich ihn zu entfernen."

"Das ist doch nicht mein Problem", erwiderte ich.

Noch einmal entschuldigte sie sich bei mir und versuchte mir zu erklären, dass sich dieses kleine Ding immer wieder auflädt, wenn man es nicht deaktiviert.

Ich war noch immer außer mir. Mich des Diebstahls zu bezichtigen, fand ich für eine bodenlose Frechheit.

"Was für ein Tag", sagte ein Mann hinter mir und grinste. "Das ist mir auch schon mal passiert. Ich wollte schon gar nicht mehr einkaufen gehen, so verzweifelt war ich."

Ich nickte freundlich und verließ das Geschäft. Für einen weiteren Einkauf war ich nicht mehr bereit.

© dagmar unterrainer 05.04.2020

#eigenartig #normalanders