Menschenrechte am Zaun

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Menschenrechte am Zaun | story.one

Wir brauchen das Miteinander, die Begegnung, den Austausch von Wort und Bild, auch in Zeiten wie diesen. Man muss nur das Infektionsrisiko eindämmen, während der Veranstaltung auf Abstand appellieren, dann funktioniert das schon.

Am Spielplatz in Itzling fand die Ausstellung "Menschenrechte am Zaun" wo Kunst auf Menschenwürde trifft, statt.

Veranstalter waren die Plattform für Menschenrechte, ABZ - Haus der Möglichkeiten und Stadtteil Kulturarbeit Itzling. Mit daran beteiligt waren der Kindergarten, Keck und Streusalz, Amnesty International Salzburg, Seniorenheim und das Netzwerk Itzling.

Jede und jeder von den genannten hatten sich an diesem Projekt mit Bildern, Gedichten und Geschichten zu diesem Thema beteiligt.

Am Nachmittag ging ich also trotz sengender Hitze in den Park, um die Ansprache nicht zu versäumen. Außerdem sollte ich meine eingereichte Geschichte "Zersprengt die Finsternis" vorlesen.

Viele Menschen standen inzwischen unter den Bäumen, oder saßen auf den Bänken im Schatten und warteten neugierig auf die Eröffnung.

Die verschiedenen Gruppen wurden vorgestellt und man überreichte ihnen eine Urkunde für die außergewöhnlichen Beiträge, die sie eingesandt hatten.

"Soll ich wirklich?"; fragte ich Eszter. "Soll ich wirklich meine Geschichte vorlesen? Meinst du nicht, ich würde die betagten Damen aus dem Seniorenheim mit meinen Worten belasten?"

"Nein", lautete die Antwort. "Lies."

Ich las also. Diesmal sogar ohne mich zu verhaspeln, endete mit den Worten: "Zersprengt die Finsternis. Ich brauche Licht, Friede und Gerechtigkeit auf dieser Erde. Ich brauche ein Rot, dass mich ummantelt."

Anscheinend hatte ich die Menschen damit in den Bann gezogen, denn ernsthafte Gespräche folgten.

Es ist schön, wenn man sich mit Menschen auseinandersetzen kann, die die gleichen Ansichten mit dir teilen. Du hast dann das Gefühl, deine Worte haben nicht umsonst das weiße Blatt Papier gefüllt.

Ich muss zugeben, auch die Beiträge der älteren Damen aus dem Seniorenheim haben meine ganze Konzentration in Anspruch genommen. Die Plakate, die von ihnen mit viel Fleiß und Mühe erarbeitet wurden, haben mich sehr berührt.

Ist es denn nicht so, dass wir den alten Menschen nichts mehr zutrauen und sie sich fühlen, als wären sie auf dem Abstellgleis? Diese Ausstellung hat mal wieder bewiesen, dass es nicht so ist. Die eindrucksvollen Bilder, Zeitungsausschnitte, selbstverfassten Worte, die sie auf vielen Plakaten präsentierten, musste ich erst einmal verarbeiten, und das konnte ich nur, indem ich sie ansprach und mit ihnen darüber diskutierte. Liebevolle Worte fielen, Einsichten und Gedanken wurden geteilt.

Auch zu Hause musste ich diese glücklichen Momente mit meinem Mann und später auch noch mit meiner Freundin teilen.

Sich auf etwas einlassen, speziell zu einem Thema, dass uns alle betrifft, ist manchmal gar nicht so einfach. Aber es geht und macht glücklich.

© dagmar unterrainer 01.08.2020