Der Erste

Er war ein Geschenk. Also bezahlt hab ich ihn schon selber, 1000,-- Schilling hat er gekostet. Aber die Reparatur und vor allem die unfassbar geile Nagellack-Farbe als Autolack, ging auf das Konto meines damaligen Freundes.

Was war das für ein Auto! Und was hat da Auto fahren für mich bedeutet. Endlich 18, endlich Führerschein machen, endlich nicht mehr auf diesen Postbus angewiesen sein, der drei Mal am Tag in die eine und drei Mal am Tag in die andere Richtung fuhr. Oder auf den Papa, der der Ältesten alles, aber sicher kein Auto anvertraut hätte. Naja, die 80er in Oberösterreich, 1500 Einwohner Gemeinde. Die jüngeren Brüder schon mit 8 Jahren in der Früh fertig machen für die Schule, weil die Eltern schon auf der Baustelle für das ersehnte Haus sind - kein Problem. Der Gleichen als 18jährigen das Auto borgen - never.

Oder eben angewiesen auf den Freund, der als drittgeborener einer zehnköpfigen Geschwisterschar neben seinem Job immer unterwegs war. Zum Glück führte sein Weg von seiner Arbeit zum Hof seiner Eltern genau bei uns vorbei. Ich wurde dann aufgegabelt. Meine Mama hat ihm noch was zu essen gegeben und dann durfte ich mit ihm mitfahren. Allerdings: um 10 bist zhaus - du hast morgen Schule! Ich war die erste in der Familie, die nach der Pflichtschule nicht eine Lehre sondern eine "Höhere Schule" machte.

Mit ihm mitfahren hieß dann: entweder in der Garage mit seinem älteren Bruder abhängen und irgend ein altes Auto reparieren. Wobei für uns Mädchen galt: zuschauen und bewundern. Oder aber mit Oma und Mutter in der Küche über Brot backen fachsimpeln. Da war mir tatsächlich die kalte Garage meistens lieber. Obwohl, das frisch gebackene Brot, das jeden Samstag in riesigen Laiben aus dem Backofen geholt wurde - bei einer 13 köpfigen Familie zahlt sich so ein Profi Backofen echt aus - das war echte Sensation. Auf die noch lauwarme Schnitte dick Butter - direkt von den Kühen im Stall selber gemacht - ich kann mich heute noch an diesen Duft und Geschmack erinnern.

Und als ich dann Matura und Führerschein in der Tasche hatte, war in jener Garage dann mein zukünftiges Auto. Ein Datsun 100A. Alle fuhren so einen. Offenbar gab es damals irgendwo ein Nest, wo permanent welche schlüpften, denn, kaum war der eine fertig und verscherbelt, wurde schon der nächste in die Garage geholt.

Wenn es nicht die Garage bei ihm zu Hause war, dann eben die Garage seines besten Freundes. Oder irgend eines Freundes. Dass ich dann doch die muffigen dunklen Musik-Proberäume vorzog, war wohl absehbar.

Dieser entzückende knallrote Datsun 100A war mein ganzer Stolz. Wenigstens für etwa 6 Monate. Dann war ich mal wieder spät dran, die Straße war schmäler als gedacht, die Kurve enger, der Ferkel Wagen, der mir direkt auf der Brücke entgegen kam, breiter als gedacht. Jedenfalls; kleiner Unfall große Wirkung. So entzückend das Auto nämlich auch war, ein kleiner Aufprall hatte die Karosserie so verzogen, dass der Wagen Totalschaden war.

Den 1. vergisst man nie.

© Dan Krammer