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Glücksmomente, gesammelt

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Glücksmomente, gesammelt | story.one

Das Sonnenlicht schillert durch die sanft wiegenden Äste der Birke, es gibt dem grün des Rasens viele Schattierungen. Die frische Erde ist noch feucht vom Morgentau und die winzigen grünen Köpfchen der aufgehenden Samen, die ich erst vor zwei Wochen ausgestreut habe, drängen sich jeden Tag üppiger hervor.

Ein einsamer Thujen-Baum darf hier stehen, er ist vom Eingang aus sehr prominent zu sehen. Ein Grund, warum er immer und ewig hier stehen darf, ist die Amsel Familie, die seit Jahren hier als Untermieter eingezogen sind. Wie es ausschaut, wird das kugelige Nest gerade wieder renoviert. Herr und Frau Amsel picken vormittags emsig im Garten, wählen mit Bedacht ein Blatt. Er schüttelt den Kopf, das ist nicht gut genug, schmeißt es wieder weg und wählt doch ein Birken-Ästchen. Er hüpft noch hierhin und dahin, schwingt sich dann auf den Gartenzaun, schaut sich noch einmal um, ob er unbeobachtet ist und husch, verschwindet er zwischen den Ästen der Thuje.

Aus dem Backrohr dringt verlockender Duft - die Osterpinzen sind bald fertig. Heuer habe ich ein neues Rezept mit Safran Fäden ausprobiert, die Farbe des Teiges ist vielversprechend. Mal schauen, ob die acht kleinen Kostbarkeiten bis Ostersonntag überleben oder ob meine Lieben "kosten" müssen.

Das Mittagessen bringt heute der Wirt ums Eck. Bärlauch-Risotto für meinem Mann, ein "Cordon" für den Sohn, einen Tafelspitz, von dem wir die nächsten Tage auch noch essen können, für mich. Der Sonntags-Gugelhupf meines Mannes ist seit heuer Tradition und wartet darauf, unsere Nachspeise sein zu dürfen. Ein winzig kleines Stückchen haben wir schon probiert. Über die Definition von "winzig" darf spekuliert werden, wenn dreimal ein winziges Stückchen...na egal, es ist Sonntag.

Einspielen und vorbereiten für unser Abendlied. Heute habe ich Take Five gewählt. Drums und Sax - mehr braucht man für dieses Lied im Grunde sowieso nicht. Ich befeuchte mein Blatt, klemme es in das Mundstück, der erste Ton vibriert sanft durch meine Körper. Meine Finger spielen die lange vertrauten Läufe von selbst - Vorfreude.

Ich scrolle kurz über Facebook - eine Freundin hat eine Sonntagschallenge der besonderen Art ins Leben gerufen: Wofür bist du dankbar? So vieles fällt mir sofort ein. Mein Mann, ein kreativer Wegbegleiter. Dass meine Söhne schon groß genug sind, dass Homeschooling für uns keine Bedeutung mehr hat. Die feinen Menschen, mit denen ich schon die Bühnen teilen durfte. Und dann natürlich Story.one. Wie dankbar und voll Freude bin ich immer, wenn ich eine Geschichte geschrieben habe und hier diese freundliche Resonanz ensteht. Und wie sehr berührt es mich, wenn eine meiner Geschichten offenbar so viele Menschen berühren, dass sie sogar Highlight des Tages wird. Und dann die Rückmeldungen unserer Fans und Freunde auf den Newletter, den ich als Lebenszeichen ausgesendet habe - lauter kleine Glücksmomente.

© Daniela Krammer 05.04.2020

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