Gott um 2

Klagenfurt irgendwann 2004 um 2 Uhr morgens. Verrückte Sache so ein musicians life manchmal.

Die Carmen Nebel Show in Klagenfurt. Und ich ergattere einen Background Instrumental Job. Teile die Bühne mit Peter Kraus (das Foto mit ihm hat meine Mutter heute noch in der Küche stehen. Seither bin ich für sie weltberühmt quasi) mit Johnny Logan, mit Andrea Bocelli, Michelle, Andrea Berg und mit Karel Gott.

Musikalisch jetzt alles nicht so mein Ding als eingefleischter Jazz Freak während des Musikstudiums, aber diese interessante Erfahrungen wollte ich keinesfalls auslassen. Interessant war es auf jeden Fall. So gut wie möglich so tun, als ob, wissend, dass kein Ton live gesendet wird, aber hey, so lief es und so läuft es in der Branche. Die Songs muss man sich trotzdem drauf schaffen und wenn die Kamera auf dich hält: freundliche Nasenlöcher und eine Prise Begeisterung. All that jazz.

Man steht 2 Tage hauptsächlich in der Gegend herum, wartet, bis man zur Lichtprobe, in die Maske, auf die Bühne, in die Maske, in die Garderoben Boxen und das Ganze von vorne geschickt wird. Blödelt mit den anderen Musikern, freut sich, wenn die Sängerknaben ein Autogramm haben wollen (ich hab bis heute keine Ahnung, mit wem die mich verwechselt haben) und freut sich mit den anderen, wenn endlich die Show abends diesmal ausnahmsweise in Realtime übertragen wird.

Um 23.30 Uhr ist alles vorbei, der ganze Zirkus wandert nach 2 Tagen Schicksalsgemeinschaft noch zur After Show Party. Die Stars sind freundlich und lassen sich fotografieren (siehe oben) und irgendwann um halb 2 schnappe ich mir meinen charakteristischen Karo-Kleidersack vom Flohmarkt und lass mich in die kleine Frühstückspension fahren, die für uns Background-Künstler vorgesehen ist.

Raus aus den Klamotten, duschen, Zähne putzen. Da läutet das Handy. Eine der freundlichen allgegenwärtigen Helferlein in so einer Show ist dran. Ob ich mir sicher bin, meinen Kleidersack erwischt zu haben. Weil nämlich der Herr Gott seinen vermisst. Na gut, schau ich halt noch in meinen. Und stelle fest, dass ich Schlangenleder-Schuhe Größe 44 und Sakkos mit DIESEN Farben tatsächlich nie hatte und nie haben werde.

Um 2 Uhr morgens irgendwo in Klagenfurt. Ich steh im Pyjama auf der Straße, ein Taxi hält, Karel Gott steigt aus und tauscht grinsend mit mir Kleidersack in Karo.

Möge er in Frieden ruhen, die goldene Kehle aus Prag. Ein netter Kollege war er auf jeden Fall.

© Daniela Krammer