#bühnenleben #menschenliebe

My funny Valentine

  • 237
My funny Valentine | story.one

Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zum Valentinstag. Einerseits möchte ich gerne die Coole sein, die auf solche Äußerlichkeiten einfach keinen Wert legt, andererseits beobachte ich schon eine kleine Kränkung, wenn mein Mann es wagt, mich beim Wort zu nehmen und den Valentins-Tag wirklich völlig ignoriert. Es ist kompliziert.

Das Basteln von Herzerl-Karten und kitschige Plüschtiere haben mich wirklich nie interessiert. Schokolade und Blumen interessiert mich (zu meinem Leidwesen) immer, da muss es kein Valentinstag sein. Trotzdem ist so ein netter Blumengruß oder eine kleine Schoki am Kopfpolster an diesem Tag eine nette Geste. Wie gesagt, es ist kompliziert.

Vor einigen Jahren wurde ich für den Valentinstag in ein Lokal in Niederösterreich angefragt. Ob ich mir vorstellen könnte, ein kleines Konzert zu geben. Der junge Mann am Telefon sagte, seine Frau liebe das Saxofon über alles. Aber sie haben ein kleines Kind, deshalb hat sie keine Zeit. Er möchte ihr aber die Freude machen, am Valentinstag extra für sie ein Konzert zu organisieren. Der Wirt des Lokals hat ein Extrazimmer mit Bühne nett dekoriert und ein Dinner für die Beiden vorbereitet.

Am 14. Februar komme ich also zur vereinbarten Zeit zum vereinbarten Ort. Der Wirt empfängt mich und meint: "Du wundere dich nicht, es kann sein, dass es später wird! Da scheint es Probleme zu geben." Tatsächlich ruft mich kurze Zeit später mein Auftraggeber an und erzählt mir, dass seine Frau und ihr Kind ins Krankenhaus mussten. Die Kleine hat hohes Fieber bekommen und hat nicht mehr zu schreien aufgehört. Es ist nicht klar, wann sie nach Hause darf, ob es für mich ok wäre, noch zu warten. Er zahlt auf jeden Fall, auch, wenn das Konzert mit Dinner ins Wasser fällt.

Ich beruhige ihn natürlich und sage, dass ich gerne warte, er soll sich nur um seine Familie kümmern. Der Wirt bekocht mich schon mal während ich warte. Nach einer Stunde wieder ein Anruf. Es ist alles in Ordnung, es dauert nur noch, bis die Entlassung abgewickelt ist. Das Kind muss noch nach Hause gebracht werden, wo die Oma schon wartet. Seine Frau weiß noch nicht, was sie heute noch erwartet. Ob es möglich wäre, dass ich noch etwa eine Stunde, vielleicht eineinhalb warten könnte? Natürlich kann ich.

Mit drei Stunden Verspätung kommt das Paar tatsächlich an. Der Wirt hat mittlerweile ein liebevolles Buffet nur für die zwei aufgebaut, ich mache mich auf der Bühne bereit und als sich die Tür öffnet, spiele ich wie vereinbart "You are the sunshine of my life". Sie ist wie vom Donner gerührt, fällt ihrem Mann um den Hals und fängt an zu Weinen. Wahrschienlich waren es nicht nur Tränen der Rührung und Dankbarkeit, sondern auch welche der Erleichterung nach einem Tag im Krankenhaus. Es war eines der berührendsten Konzerte, die ich je gespielt habe. Von "Adesso Tu" über "Nothings gonna change my love for you" bis "My funny Valentine". An diesem Tag war es garnicht kompliziert.

© Daniela Krammer 14.02.2020

#bühnenleben #menschenliebe