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Swing das Ding

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Swing das Ding | story.one

Liebes Tagebuch. Den heutigen Tag muss ich aufschreiben, sonst glaub ich es selber nicht. Er beginnt wie oft um 6.30 Uhr mit Polentabrei kochen für den jüngsten. Unfassbar, er hat in wenigen Wochen Matura und das für einen Musiker-Haushalt quälende "in-der-Früh-aufstehen" hat ein Ende. Es fängt schon jetzt an, sich nostalgisch anzufühlen.

Heute noch dazu um 8.00 Uhr Netzwerk-Treffen im Bezirk. Die Bezirksvorsteherin lädt zum Welttag der Frauen auf ein Frühstück ein. Um diese Uhrzeit schon ausgehfertig - die nächste Herausforderung. Aber das Treffen ist fantastisch. So tolle Frauen, die sich hier treffen! Eine hochschwangere bekannte Modedesignerin hält einen kurzen Vortrag über ihr Werden. Mit 24 gestartet mit eignen Kreationen und heute ein großes Unternehmen. Ich wollte eigentlich um 10.00 Uhr zu Hause sein, es wird 11.00.

Ich schaue auf mein Handy - vier verpasste Anrufe eines befreundeten Mäzens. Rückruf. "Hast du heute um 15.00 Uhr Zeit für ein Geburtstagsständchen in der Börse?" fragt er mich. Leider nein, da stehe ich mit meiner Bühnenpartnerin auf der Bühne. 17.00 Uhr würde sich ausgehen. Er sagt, er meldet sich nochmal.

Zu Hause wartet der Sauerteig auf mich. Der erste Versuch, selber ein Roggen-Sauerteigbrot zu backen. Muss ich jetzt fertig machen, sonst kann ich alles wegschmeißen. Während das Brot im Ofen tut, was es tun soll - hoffentlich - setze ich mich schnell zum Computer und entwerfe ein Plakat für den Vorlesetag. Es ist aufregend, als ich mein Werk begutachte: 26.3. 19.00 musikalische Lesung im Cafe Mimi, Saxofonistin und Autorin. Schön.

Noch eine Stunde, bevor ich mich auf den Weg zum Nachmittagsauftritt machen muss. Das Handy läutet wieder: "Ja bitte sei um 17.00 - oder so früh es geht - bei der Börse!" Okay. Was macht eigentlich mein Brot? Duftet, schmeckt großartig. Wo sind die Noten für den Auftritt, was brauche ich für den zweiten Auftritt in der Börse? Handy und Tablet voll geladen?

Auf ins Pensionistenwohnhaus. Petra liest heute großartig - also noch besser als sonst. Sie betont ein paar Textpassagen - ich kenne die ja schon gut - heute anders. Sehr schön. Wir überziehen ein bisschen, weil es wieder mal so fein ist - die alten Leute haben so eine Freude mit uns - und wir mit ihnen.

Fünf nach vier stürme ich aber von der Bühne, schnell ins Auto, Navi - kein Satelliten-Empfang. Google am Handy weiß es eh besser. Gut, jetzt nur noch ein Parkplatz - rund um die Börse ist es immer eng. Ausgerechnet jetzt fährt ein Konvoy Limousinen mit Diplomatenkennzeichen rund um die Börse, Parkplatz wo bist du? Mein Mäzen ruft mich schon zum dritten Mal an, aber vollgepackt mit Saxophon, Tasche und Trolley für die Box kann ich nicht abheben. Gleich bin ich da.

Er begrüßt mich strahlend: "Danke danke dass sich das ausgeht!" Schnell in den Keller der Börse. Durchatmen, Frank Sinatra ist gefragt. New York, My Way, Fly me to the Moon. Alles swingt.

Und morgen mach ich nichts. Garnichts. Außer Kaffee.

© Daniela Krammer 04.03.2020

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