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Verdammtes Ding

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Verdammtes Ding | story.one

Oh es gibt solche Momente, da könnte ich mein Handy beim Fenster rausschmeißen. Momente, in denen mir klar wird, dass ich - weil ich NUR SCHNELL was erledigen wollte - gerade wieder eine Stunde blödsinnig in das Ding gestarrt habe und mir die Zeit stehlen habe lassen.

Kurz auf Facebook vorbei - öde, ärgerlich - nein, das geb ich mir jetzt nicht. Aber die Antworten auf die letzte Insta-Story muss ich betreuen. Das ist beruflich, wie schaut denn das aus, wenn die Leute so nett mein Posting vom letzten Auftritt kommentieren und ich reagiere nicht. Ui, dreißig Minuten weg. Aber jetzt lege ich es wirklich weg, nur kurz story.one. Moment, da sind noch Mails, die kann ich gleich hier am Handy beantworten, da muss ich nicht extra zum Computer. Jö, die xxx hat auch geschrieben! von der hab ich ewig nix gehört, da muss ich schon schnell antworten. Mist verdammter, nochmal vierzig Minuten weg.

Und dann ist da noch Word Blizz, das einzige Spiel, dass ich mir online manchmal gönne. Geht leider nur im Messenger, aber es ist so angenehm für das Gehirn. Wenn man nicht spätestens jeden zweiten Tag spielt, verliert man seine Pokale. Es ist die Internet-Version von Boggle, einem Würfelspiel, bei dem auf 16 Würfeln Buchstaben abgedruckt sind und man aus dem Feld Wörter finden muss. Gegen meinen Mann habe ich immer verloren - bis ich angefangen habe, online zu trainieren. Ich bin gut in diesem Spiel. Echt gut. Ich habe in meinem FB-Freundeskreis nur eine handvoll Menschen, die mich herausfordern können.

Plötzlich war da ein neuer Name unter den Herausforderern. Interessant. Ich bin chancenlos. Ich battle mit ihr - wow, die ist besser als ich. Viel besser. Da muss ich mich richtig konzentrieren und wenn ich mal Einstand erreiche, fühle ich mich schon wie die Königin der Welt. Ich schaue mir ihr Profil auf Facebook an. Eine Cellistin. Und was für eine! Eine Musikerin, die in der Klassik UND im Jazz fit ist - wie aufregend. Irgendwann habe ich sie angeschrieben und gefragt, ob sie Lust auf eine Session mit mir und einer Pianistin hat.

Wir haben jetzt miteinander schon zwei Sessions im Proberaum gehabt und es fühlt sich an wie: "Wow, endlich wieder eine BAND!" Die Band hat auch schon einen Namen und unsere ersten Auftritte sind auch schon gebucht. THE MADAM's - der Name ist übrigens einfach nur eine Spielerei der Anfangsbuchstaben unserer Vornamen. Wir haben auch überlegt, die Band einfach nur DIE BAND zu nennen, damit nicht wieder ein Veranstalter auf die Idee kommt, uns als Frauenband abschassln zu wollen. Aber wir sind mittlerweile alle erfolgreich und selbstbewusst genug, einfach The MADAM's sein zu wollen. Und die Proben fühlen sich an wie damals, als wir als junge, hungrige Musikerinnen die ersten Gehversuche beim Band-machen taten. Nur mit mehr Wissen und mehr Selbstvertrauen.

Also ja, dieses verdammte Handy kann einen verdammt viel von der verdammt wertvollen Zeit stehlen. Aber manchmal ist es einfach verdammt großartig darin, uns Menschen zu verbinden.

© Daniela Krammer 18.02.2020

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