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In Welten lebten drei Freundinnen!

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In Welten lebten drei Freundinnen! | story.one

Jeden Morgen krähte der Hahn. Dann kurbelte sie langsam die Jalousien des Schlafzimmerfensters hoch, schlüpfte aus ihrem Nachthemd, legte d Kopftuch auf den gewohnten Platz neben dem Bett (sie trug ein flauschig warmes jede Nacht), setzte ihre Zähne ein u ging schnellen Schrittes in die Küche. Die Küche war das Herz des Hauses, ihr Reich, ihr Leben. Neben dem Tisch, der Sitzbank u den Sesseln musste auch ein Diwan Platz haben. Der u der Fernseher waren dem Opa heilig.

Jeden Morgen heizte sie den gesetzten Ofen mit dem am Abend zuvor kleingehackten Holz, schnitt das selbstgebackene Brot in dicke Scheiben, strich die frisch geschlagene Butter dick darauf. Gerne mochte sie dazu Marmelade od Honig. Sonntags roch die ganze Küche nach Malzkaffee. Es gab Kaffeesterz, einen großen Teller voll Polenta od Heidensterz.

Das Radio in d Ecke spielte laut. Am Herd kochte die Suppe, der Braten war schon im Ofen. Zwei Töpfe mit siedend heißem Wasser kochten bereits, in einem die Erdäpfel für die Beilage, im anderen, die kleineren für die Hausschweine. Jeder Handgriff war gut gelernt. Schnell machte sie noch den Apfelschlangl, natürlich ohne Rezept, „überhabs“, denn heute musste sie pünktlich fertig sein.

Das Treiben in der Küche wurde oft durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Ein Telefon mit Wählscheibe, wo daneben noch ein dickes Telefonbuch lag. Wichtige Nummer, wie die von ihren Freundinnen, wusste sie natürlich auswendig. Denn auch wenn das Bauernleben hart u sehr fordernd war, telefoniert haben sie jeden Tag, die 3 Freundinnen vom Land.

Gesehen haben sie sich immer sonntags. Abwechselnd 1x bei dem einen, dann auf dem anderen Hof. Es war ein Ritual. Punkt 14 Uhr saßen Karoline, Paula u Maria gemeinsam am Tisch, tranken Kaffee u tratschten über ihre Welt, Geschichten aus dem Dorf. Das Leben der Freundinnen glich sich sehr u dennoch, sie konnten sich viel erzählen.

Was hatten sie schon? Keinen Prunk, keinen Luxus, nicht einmal einen Führerschein besaßen die drei. Aber sie hatten einander. Sie haben 2 Weltkriege überlebt, gingen seither durch dick u dünn, sie waren einander Freundinnen, egal was passierte. Sie haben einander in jeder Lebenslage geholfen, haben zusammengehalten, wenn das Landleben fordernd war, wenn d Ernte vom Feld geholt werden musste, wurde angepackt. Sie haben gemeinsam gelacht, getanzt, gefeiert u sich über ihre Männer beschwert :).

Sie waren Freundinnen, ein Leben lang. Nichts u niemand konnte sie trennen. Sie strahlten viel Liebe u Zuneigung füreinander aus, ihre Gesichter glänzten, wenn sie miteinander waren. Der Herrgott hat ihnen allen dreien ein langes Leben geschenkt. Sie wurden über 90.

Es gibt Tage, da erlaub ich es mir einfach traurig darüber zu sein, dass die Bilder der Freundschaft von diesen 3 starken Frauen nur noch in meiner Erinnerung existieren. Doch mir bleibt der Gedanke, dass es 3 Freundinnen gab, in Welten, im südlichsten Bezirks des Burgenlandes, d eine echte Freundschaft verband.

© Daniela Adler 2020-10-17

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