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Ablenkung erwünscht

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Ablenkung erwünscht | story.one

Es läuft "Sieben Jahre Tibet". Brad Pitt flüchtet gerade mit geschwärztem Gesicht aus einem Soldaten-Lager. Er sitzt in einer steinigen Höhle und macht sich Notizen. Bevor er Schauspieler wurde, studierte er Journalismus und weiß, dass die Printmedien aus Autoren bestehen, die Geschichten schreiben und bestätigt auf einer der Oskar-Verleihungen nichts zu glauben, das nicht jede Frau, neben der er steht automatisch seine Geliebte oder Freundin ist.

Lilly denkt über ihren Berufsstand nach, während sie sich von Radiomoderatoren in beruhigender Wirkung zum Lockerbleiben während der Corona-Kontaktregulation beeinflussen und so die Bestrafungstabelle von Schleswig-Holstein zu Vergehen gegen diese Einschränkungen in schmerzhaften Eurobeträgen vergessen lässt, um nicht völlig durchzudrehen, weil sie sich wie in einem kommunistischen Staat fühlt mit Essensausgabe in 200-Gramm-Reisportionen, mit dem das Volk in Nordkorea in Mangelernährung seit Jahrzehnten dahinvegetiert und nicht auf bessere Zeiten hofft, weil es diese nicht kennt, da Filme und Nachrichten aus dem Ausland verboten sind.

"Dort gehen sie auch noch klimaschonend zu Fuß, womit es das perfekte Exil-Land für das Gretchen wäre.", schmunzelt sie. Ein bärtiger, wohlgenährter Typ öffnet den Kühlschrank und sucht nach seiner "Geschüttelt und nicht gerührt"-Müller-Buttermilch, wo ihm sein Bruder oder Lebensgefährte Kommentare dazu abgibt, während er in einem Magazin blättert.

Lilly wartet auf das Ende der Werbeeinspielung, um sich mit dem talentierten Schauspiel Pitts wieder in die steinige, tibetanische Wüste versetzen zu lassen, genauso wie auf das Ende dieser Einschränkungen in Wirtschaft und Alltag.

"Die meisten Länder müssten sich ja dann Kredite aufgenommen haben, also kann es ja mit neuer Verschuldung bei den Weltbanken und Geldbonzen wieder weitergehen.", ist sie sich sicher, dass am 20. April wieder gefeiert und gearbeitet wird. Zumindest hofft sie das, denn hier muss sie ja auch Miete zahlen und den Esel, der Geld schei…, hat wer aus der Abstellkammer geraubt.

Da ist er wieder und streitet sich mit seinem Lebensretter, bevor er im Geröll der tibetanisches Berge am Dach der Welt einem scheppernden Yak-Zug begegnet. "Wie einfach das Leben am höchsten Ort der Welt ist.". Zwei Männer mit Tellern am Kopf und Pferden unterm Gesäß spielen den Grenzschutz und wollen die beiden Hellhäutigen aufhalten: "Keine Ausländel!!" rufen die.

Nun war der Bursche mit dem Teller am Kopf, dem Bradi den Stecken aus der Hand gerissen hat, die Exzellenz des Dorfes, deshalb verkauft er die Uhr des anderen und imitiert, wie deutsche Soldaten marschieren, bevor sie sich aus dem Staub machen. Sie werden gleich gerettet, gewaschen, neu eingekleidet und verlieben sich in die Tochter des Hauses, der Krieg ist aus und er will zurück nach Österreich, bekommt gleich den Brief vom Dalai Lama, was den Film so besitzergreifend macht, dass Lilly nun aufhört zu tippen.

© Daniela Neuwirth 06.04.2020

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