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Alpenmensch, maskulin

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Alpenmensch, maskulin | story.one

Gerade lief ein Film im Nachtprogramm, der ohne gesprochenes Wort und mit Liebe zum Detail die letzten Wochen im Leben des Ötzis nachstellt - wie sie sein hätten können. Es ging darum, zu zeigen in wie vielen Bereichen es anders war, als wenn wir heutzutage ohne unsere warme Wohnung leben müssten und spärlich bekleidet durch die Berge streifen würden. Mit viel Sorgfalt waren die Fell- und Lederkleidungsstücke nachgeschneidert, kleine Lederbeutel, Werkzeuge, sowie Waffen zum Jagen oder zur Selbstverteidigung.

Es gab sogar eine Erstform von dörflicher Siedlung mit steinbefestigten Lederzelten auf langen Holzästen und sogar Pfahlbauten aus Holz mit Strohdächern, die aber von "Räubern" angegriffen wurde, als Ötzi auf der Jagd war.

Es gab auch schon Feuerstellen und Schlafstätten in den Hütten. Die Räuber wurden sehr brutal und hartherzig dargestellt und es wurde versucht, das Entstehen eines ´Gewissens´ zu zeigen, wobei diese über keines verfügten, nicht mal als die Kinder in den Hütten schrien, die sie verbarrikadiert und angezunden hatten. Selbst die Schreie lösten keine Reue in dieser Gattung aus, die über die Gipfel aus einer anderen Siedlung im Wald kamen und dort nach dem Raubzug auch wieder hin wanderten.

Als Ötzi von der Jagd zurückkehrte, lief er natürlich zuerst zu seiner Frau und den Kindern. Die Frau hatte er - mit dem Blick nach oben (zum Himmel) und Fingertapsen auf seine Stirn - bestattet, als er den Sohn, den die Mutter mit dem kleinen Babybündel in der Hand weggeschickt hatte, als sie merkte, dass sie überfallen werden, ein Stück vom Dorf entfernt mit Pfeilen im Rücken fand und das noch lebendige Baby. Mit diesem und einer Ziege an der Leine zog er nun den Fußspuren der Räuber nach.

Auf dem Weg dorthin musste er sich mit der Milchziege um den Säugling kümmern, den er aber schlussendlich bei einer jungen Frau, die mit ihrem greisen Vater in einer Steinhöhle lebte, lies und weiterzog. Er holte tatsächlich die Räuber ein, die einen Jüngling gefangen hielten, den er nachts befreite und ihm dieser später, als er in eine Eisspalte rutschte, ebenso helfen wird.

Er überfiel - seine eigene Angst dabei wurde gut dargestellt - die Zeltsiedlung der Räuber, forderte diese im Kampf heraus, um seine Habseligkeiten wieder an sich zu nehmen und gewann mit einigen Verletzungen. Er wollte nicht im Zelt der zurückgebliebenen Frau bleiben und wanderte (wahrscheinlich wieder zurück zur Höhle) weiter. Mitten im hüfthohen Schneegestöber wurde er dann doch von einem anderen einzelnen Jäger mit einem Pfeil getötet.

Dies alles läuft über eine Stunde ohne Sprache, nur mit vereinzelten Lauten und dem tief in uns verwurzelten Drang, das Leben zu erhalten. Vor 5300 Jahren war der Flecken Erde oder besser Felsen, an dem er wanderte nicht als Tirol oder Südtirol definiert. Ötzi ist heutzutage offiziell Südtiroler und er liegt in einer High-Tech-Kühlkammer im Museum, wo er zwei Mal im Jahr vereist wird.

© Daniela Neuwirth 16.09.2020

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