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Sansibar-Mood

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Sansibar-Mood | story.one

Trotz allem reißt sich Mike an einem Samstag los. Sie treffen sich am Bahnhof. Sie sieht ihn und es ist wie am ersten Tag - aber zugleich fällt ihr auch dieses witzige Kennzeichen am Auto auf und das begeistert sie auch sehr. Nach einem Strandspaziergang, wo er nicht weiß, will er die eine Hand oder die andere, ein Kind oder kein Kind und ihr die Jacke bis oben hin zumacht, als wäre sie ein Baby, müssen sie feststellen, dass das um zehn Uhr das idyllisch gelegene Grand Plage noch mit geschlossenen Türen vor sich dahinschlummert.

Sie fahren zur Sansibar. "Ich wusste, dass ich nicht auf einen Beifahrersitz passe", bestätigt sie sich ihren Hang zur Freiheit und genießt das traumhafte Wetter. "Hab noch einen Mercedes Convertible.", will er sie beeindrucken, was nicht klappt, weil sie an ihm interessiert ist und nicht an einem Auto, außerdem steht auf Sylt an jeder Ecke ein Maybach, Ferrari, Rolls Royce oder Bentley. Vom großzügigen Parkplatz führt ein Spazierweg bis zur Sansibar - für Frauen mit High Heels bietet sich auch ein Shuttle an.

Die Sitzplätze an den rustikalen Holztischen sind auch um diese frühe Uhrzeit gut besetzt, die Kellner sportlich unterwegs. Die Tische stehen im Sand zwischen den Dünen eingebettet, das heißt nicht nur Spaß für die Gäste und ihr Schuhwerk, sondern auch das eilige, aber gutgelaunte Personal ist auf dem feinen Geriesel unterwegs. Jeder scheint seine eigene Kassenabrechnung zu machen und der Inhaber ist auf einer Anhöhe zu sehen, wo er mit einigen seiner gutgelaunten Stammgäste mit einer oder mehreren Flaschen köstlichem Traubensaft aus dem bestens bestückten Weinkeller auf gute Geschäfte, einen Geburtstag oder einfach das schöne Wetter anstößt.

"Was wäre eine Leben ohne Hunde?", fragt die Besitzerin eines freundlichen, zutraulichen Golden Retrievers, der sich unterm Tisch für Streicheleinheiten anbietet, in die gesprächige Runde. "Da hast du Recht. Und was ist die Welt ohne Kinder?", trifft Lilly einen wunden Punkt bei ihrem Gegenüber, denn die Dame hat leider keine.

"Tja, was soll ich sagen. Ich bin reich beschenkt", sie hört auf, den Hund zu streicheln. "Jedem das Seine.", denkt sie an den Lieblings-Spruch ihrer Sandwichtochter. Lilly zieht diesen ausschweifenden Erwachsenen-Gesprächen, die unweigerlich zu einem erhöhten Konsum von noch mehr Erbeerbowle führen würden, einen Beach-Walk vor.

Nach ein paar Schritten im Sand und wenigen Treppen, an deren Seiten in den Ferien wieder Kinder ihre selbstgemachten Armbändchen verkaufen werden, durch die Dünen befindet sie sich auf Meereshöhe, es gibt weit und breit nur weißen Sand, blauen Himmel, mittelblaues Meer.

Ihre Aussteiger-Seele freut sich über diese fantastische Umgebung und Sonne satt. Sie ergattern einen Strandkorb, weiten Blick aufs Meer und glückliche, spielende Kinder mit ihren aufgeweckten Eltern. Lilly ist zufrieden, denn der Strandabschnitt in Rantum gehört zu den schönsten Stellen, die man auf der Insel finden kann.

© Daniela Neuwirth 07.03.2020

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