Dringend Friseur gesucht!

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Dringend Friseur gesucht! | story.one

Ich hatte seinerzeit einen wunderbaren Friseur, bei ihm meine Frisur immer sehr lange hielt. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Jede Woche zum Friseur zu rennen, geht ja auch ganz schön ins Geld. So beschloss ich, meine Haare zwischenzeitlich selbst zu stylen. Gesagt getan. Ich drehte mir meine Haare nach dem Waschen ein. Als sie getrocknet waren, wollte ich die Wickel entfernen. Das gelang mir auch problemlos bis auf einen, den ich partout nicht rausbekam. Na gut, dachte ich, ich werde mich ins Auto setzen und zu meinem Friseur fahren.

Da angekommen, suchte ich mir einen Parkplatz. Das war schon immer ein Desaster, denn auf der Hauptstraße, wo sich mein Friseur befand, waren meist alle Parkplätze besetzt. So kurvte ich dreimal durchs Wohngebiet, bis ich einen geeigneten Platz für mein geliebtes Auto fand.

Ich musste mit meinem Lockenwickel im Haar ein Stück laufen, bis ich am Ziel ankam. Die Leute schauten mich an und grinsten so vor sich hin. Ein Kind zeigte mit dem Finger auf mich und meinte: "Du hast da was vergessen." Ich schmunzelte und ging weiter. Am Friseursalon angekommen, blieb mir die Luft weg. "Heute wegen Urlaub geschlossen." Na toll, dachte ich so für mich. Wieder zum Gelächter der Menschheit gemacht, lief ich schnurstracks zu meinem Auto.

Zu Hause angekommen, dachte ich über mein Schicksal nach und beschloss, die Schere in die Hand zu nehmen. Erst einmal versuchte ich Haar für Haar aus dem Wickler zu ziehen, was mir aber so gar nicht gelang. Mir blieb also nichts weiter übrig als doch die Schere einzusetzen. Oh man, wie sehe ich denn jetzt aus? Ein schönes Loch, war jetzt im Haar zu sehen. Und wisst Ihr was? Es war auch noch vorne - rechts an der Stirn. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen.

Am nächsten Tag rief ich meinen Friseur an und schilderte ihm mein Leid. Dieser lachte erstmal herzlich am Telefon. Na gut, wenigstens einer der Freude daran hatte. Sofort bekam ich einen Termin. Er versuchte, die Frisur so hinzubekommen, dass man kaum etwas merkte. Der Scheitel wurde auf die andere Seite gelegt. Dann schnitt er vorsichtig die noch verbleibenden Haare so, dass ich damit leben konnte.

Ein ganzes Jahr hatte es gedauert bis wieder alles richtig in Ordnung war. Was für eine Aufregung. Paar Tage später konnte ich drüber lachen. Und meine Befürchtungen waren ja: "Oh Gott, wenn das einer meiner Schüler merkt. Wie peinlich wäre das denn." Aber es hat wohl keiner so richtig mitbekommen. Zumindest hat niemand etwas gesagt. Es gibt schon kuriose Sachen, die man im Leben erlebt. Solche Begebenheiten kommen auch nie in Vergessenheit. Diese sitzen im Unterbewusstsein total fest.

Ich sag mir dann in solchen Situationen: "Es ist ja nicht wirklich etwas passiert. Alles konnte ja wieder in die richtige Richtung gelenkt werden. Wenn’s weiter nichts ist. Das Leben geht weiter. Das nächste Ereignis kommt bestimmt. Das macht das Leben erst so richtig lebendig - so sich alles im Normalbereich bewegt."

Das Leben ist schön. :-)

© Daniela Reinelt 26.01.2020