Von der Schreibmaschine zum Laptop

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Von  der Schreibmaschine zum Laptop | story.one

Als ich das Schreibmaschinenschreiben an der Dresdner Volkshochschule erlernte, waren noch längst keine Personalcomputer in Sicht. Wir wurden getrimmt, alle Buchstaben gleichmäßig anzuschlagen. Wenn ein Buchstabe über dem Querbalken des "e" hing, wurde dieser gleich als ein Fehler angesehen.

Mit 300 Anschlägen/Minute habe ich damals die Ausbildung zur geprüften Sekretärin abgeschlossen. Danach machte ich die Lehrbefähigung im Maschinenschreiben und Stenografie. Während der Ausbildung in der Abendschule der Volkshochschule hat man mir schon Lehrgänge zur Erlernung des 10-Finger-Tastschreibens anvertraut. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wir haben zu dieser Zeit noch mit Taktgeber und Marschmusik die Teilnehmer zum gleichmäßigen Schreiben angespornt. Das war immer ein Gaudi - sowohl für die Teilnehmer als auch für die Lehrkräfte.

Nach der mechanischen folgte dann die elektrische Schreibmaschine. Sie nahm dem Schreiberling eine Menge Kraft ab. Man musste nicht mehr so auf gleichmäßiges Anschlagen achten und hammerartig auf die Tasten "hauen". Die Entwicklung nahm einen raschen Lauf. So dauerte es nicht mehr viele Jahre bis dann der Computer eingesetzt wurde. Ich habe sehr viel von meinen Schülern gelernt, die ja alle Tricks und Kniffe sehr schnell kannten.

Ich bin über den langen Weg zum Lehrer gekommen. Mein Studium, was ich an die Ausbildungen zum Facharbeiter für Schreibtechnik, der geprüften Sekretärin und der Lehrbefähigung für Stenografie und Maschinenschreiben anschloss, führte mich zum Ökonom Pädagogen.

Diese praktische Zeit, hat mir sehr dabei geholfen, den Schülern gezielte Tipps geben zu können. Ich war also keine, die von der Uni kam und nun unterrichten musste ohne praktische Kenntnisse oder wenig praktische Erfahrungen. Ich kam über die Praxis zum Unterrichten. So habe ich mich hochgearbeitet und war 15 Jahre Fachbereichsleiterin für die Fächer Stenografie (Kurzschrift), Maschinenschreiben (später Textverarbeitung) und Büropraxis an privaten Schulen. Da Kurzschrift irgendwann wegfiel, habe ich ein neues Fach (Methodentraining) bekommen, in das ich mich einarbeiten musste. Erst gab es dafür keine Lehrpläne. Diese haben wir im Selbststudium mit anderen Kollegen aus ganz Deutschland erarbeitet. Das war ein sehr kreatives Fach. Wenn Schüler aktiv werden können, ist das für alle Beteiligten eine gute Sache.

Heute gebe ich noch Firmenschulungen und bringe die Teilnehmer auf einem kurzen Weg zum 10-Finger-Tastschreiben und dabei zum Blindschreiben. An den Schulen wird mittlerweile an Laptops gearbeitet. Das ist ein angenehmes Arbeiten. Wenn einmal etwas nicht klappt, dann steht sofort ein Administrator zur Verfügung, damit der Unterrichtsprozess schnell wieder in Gang gesetzt werden kann.

Ich bin immer noch begeistert, wenn ich so zurückschaue und an die ersten "Gehversuche", die ich auf der mechanischen Schreibmaschine gemacht habe, denke. Eine tolle Zeit!

© Daniela Reinelt 26.01.2020