Umarmungen

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Von heute auf morgen ist plötzlich alles anders. Das Szenario erinnert mich an eine Sience Fiction Serie. Ich weiß es ist real und ich bin mitten drin. Alle körperlichen Anschmiegsamkeiten sind auf Eis gelegt und für irgendwann später eingefroren.

Ich habe mich freiwillig in meine geliebte Höhle zurückgezogen, alleine. Nein, nicht ganz! Lotta, das Kartenmädchen ist auch hier. Ich bin überglücklich sie bei mir zu haben. Lotta ist das kleine Mädchen in mir, mein inneres Kind. Sie ist auf ihre Weise, in Gestalt einer Puppe, ein sehr lebendiges Wesen.

Sie erleichtert mir diese menschenleere Situation ungemein, da sie mich in ihre Fantasiewelt entführt, mir Mut macht, mich umarmt, zum Schmunzeln bringt und nebenbei schöne Arbeit für mich hat. Lotta versendet Postkarten, die ich für sie schreibe und gestalte. In diesen isolierten Tagen verspürt sie ein noch größeres Verlangen, bunte Karten in die Briefkästen von Menschen zu zaubern. Einfach nur, um sie für den Augenblick einer Karte aus der Sience Fiction Serie zu reißen und für einen kurzen Moment ein Lächeln ins Gesicht zu malen. Das ist ihre Art fürs Herzenswohl der Menschen zu sorgen.

Lotta schafft es mich auf Trab zu halten, da sie immer wieder neue Ideen in mir weckt, die Zeit brauchen für die Umsetzung. Die haben wir jetzt. Wir sitzen auf einem zeitlosen Zeitschatz, der sinnvoll ausgegeben werden will. Sie motiviert mich in mich zu gehen und auf die Bedürfnisse meines kleinen Ichs zu hören. Das macht mich auf sanfte und wundersame Weise stark, gibt mir die Kraft durchzuhalten und zu Hause zu bleiben.

Ich verirre mich natürlich, wie wahrscheinlich viele von uns, mehrmals pro Tag im Dschungel des Denkens und des Zerdenkens von Gedanken. Abgeschottetheit hat Nebenwirkungen.

Doch dann ist plötzlich Lotta da und holt mich runter vom Weltuntergangshirngeschichtenausdenken. Ich sehe sie an, setze mich hin und schreibe eine Karte. Alles ist gut. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber sie gibt mir unheimliches Vertrauen in mich, mein Dasein, macht mir Mut und Hoffnung, dass die Sience Fiction Serie ein gutes Ende nimmt.

Übrigens: In dieser berührungsfreien Zeit umarmt mich Lotta doppelt so oft als normalerweise. Sie hat mich gebeten, sie mit offenen Armen zu zeichnen, da sie Umarmungen übrig hat. Für alle Menschen auf der ganzen Welt. Also wer gern eine davon hätte ... Bitteschön!!!!

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© daskartenmaedchen