SCHNECKENPOST

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Ich liebe das Schreiben und ich liebe analoge Post im Computerzeitalter. Das ist der erste Satz auf meinen Postkarten, die ich in alle Welt versende. Warum versendet jemand Postkarten?

Ich finde es wunderschön, unserer schnelllebigen Zeit auf meine persönliche Weise entgegen zu wirken. Ich mag die Langsamkeit, das Schneckentempo einer Postkarte, wenn ich sie auf die Reise schicke.

Dadurch ist Lotta #daskartenmaedchen in mir zum Leben erwacht. Dieses kleine Mädchen ermöglicht mir auf die für mich schönste Weise mit anderen Menschen zu kommunizieren, indem ich ihnen Postkarten schreibe und durch sie versende.

Ich setze mich an meinen Lieblingsplatz, meinen Arbeitstisch mit Blick auf die grüne Wiese. Mein Kartenmädchenkoffer liegt vor mir. Dort sind meine Karten, bunte Stifte und Briefmarken sorgsam aufbewahrt. Ich denke an die Person der ich schreibe, was macht sie gerne, was gefällt dieser, welche Farben passen gut. So wähle ich ganz bewusst eine Karte und die passenden Farben dazu. Ich schreibe drauf los, aus dem Bauch heraus meiner Intuition folgend. Ich liebe das Spielen mit den unterschiedlichen Schriftstilen, die Karte zu verzieren, eine Marke drauf zu kleben. Ich bringe sie zum Postkasten, werfe sie achtsam hinein und schicke sie auf ihre Reise.

Ich habe mich schon oft gefragt, wie diese aussieht? Durch wieviele Hände sie geht, wie oft sie verladen wird bevor sie am Ziel ankommt. Die längste Reise einer Karte hat 48 Tage gedauert, zwei Karten sind bis jetzt verloren gegangen. Insgesamt hat Lotta über 500 Karten verschickt. Ich sammle die verschickten Karten auf Instagram, um sie zu archivieren.

Auch ich werde reich beschenkt. Ich laufe jeden Tag voller Freude zum Briefkasten. Das ist ein Ritual für mich und ich finde fast immer einen kostbaren Schatz darin. Jeder Brief oder jede Karte bereitet mir Freude. Ich bewahre diese Edelsteine in einer alten Hutschachtel auf. Ein paar der Karten finden in einem Bilderrahmen Platz, die ich monatlich auswechsle. Das ist meine kleine private Postkartenausstellung.

Für mich fühlt sich diese Form der Kommunikation leicht und unbeschwert an. Ich kann mich so viel besser ausdrücken. Im Reden bin ich oft zu schnell, im Schreiben finde ich Ruhe. Es ist schön mir bewusst Zeit für einen Menschen zu nehmen, an diesen zu denken und durch eine handgeschriebene Karte ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, eine kleine Freude zu machen und vielleicht den Alltag für einen Augenblick zu vergessen.

Lotta gibt mir Raum für mich, das bin ich, sie stellt mich selber dar, die kleine Inge, die in mir ist. Ich bin so froh, dass Lotta genau jetzt an meiner Seite ist.

PS: Ich freue mich übrigens immer über Post.

© daskartenmaedchen