Als die Demokratie baden ging

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit Demokratie, Streik und Widerstand. Ich war damals vielleicht 9 Jahre alt, und nicht allein, sondern mit 50 gleichaltrigen Kindern und Gruppenleitern in einer Ferienfreizeit am Meer. Es hatte fast 2 Wochen lang geregnet, entsprechend waren wir gelaunt.

Elke wohnte zuhause neben einem Müllplatz, sie kannte das mit der schlechten Aussicht. Susanne war eigentlich extra an die See wegen der Sonne geschickt worden. Bloß Rolf war noch gut drauf, der wollte sowieso immer kickern.

Regen, nur Regen. Nix mit Freibad. Das war natürlich offen, aber leer. Wer will denn schon Nässe von unten und von oben?

Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, da kam die Meldung, dass es vielleicht in 2-3 Tagen wieder schöner werden würde. Und dann – tatsächlich – am nächsten Tag sollte die Sonne scheinen! Also gingen wir schon mal los, den kürzesten Weg zum Freibad finden, um am nächsten Morgen auch ja keine Minute zu verpassen.

Schock! Rolf (wem auch sonst) war das Schild als Erstem aufgefallen: „Wegen Renovierungsarbeiten bleibt unser Freibad in den nächsten 3 Tagen geschlossen.“ Ab morgen. Na klasse. Wer sagt, dass auch starke Jungs nicht mal weinen dürfen?

Vor allem aber waren wir sauer, richtig sauer. Da hatte sich doch irgend so ein Typ in der Verwaltung gedacht: Es regnet ja sowieso, dann wird es auch wohl noch weiter regnen, dann machen wir die Bude halt jetzt mal zu. Und als es dann schön wurde, hatten die wohl schon Feierabend oder einfach keine Lust mehr, neu darüber nachzudenken.

Aber nicht mit uns! Wir nutzten den Abend, um uns in der großen Gruppe zusammenzusetzen und einen gemeinsamen Plan zu verabschieden. Am nächsten Morgen waren wir dann bereits um 8 Uhr auf dem Gemeindeamt: nicht einer oder zwei von uns, sondern alle! 40 verärgerte Kinder und ca. 10 begleitende Erwachsene, das will keine Verwaltung auf der Welt vor der Tür sitzen haben!

Wir haben denen ganz freundlich gesagt: Entweder Ihr macht das Freibad heute wieder auf (und zwar ratzfatz!) oder wir sitzen hier den ganzen Tag vor Eurem Zimmer, singen, schreien, machen Krach, und erzählen jedem Besucher des Hauses, was hier für „tolle“ Menschen arbeiten!

Das Ende der Geschichte kam schneller als erwartet: Nicht den ganzen Tag, nicht einmal eine Stunde hat es gedauert, da wurde das Freibad wieder geöffnet! Hurra!!!

Was ich dabei schon als Kind gelernt habe: Manchmal ist es gut, sich zu wehren. Gemeinsam sind wir stark. Besonders, wenn man baden will.

© David-Labusch