Das Bermuda Dreieck von Europa

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Das Bermuda Dreieck von Europa | story.one

"Nein einen Guide für einen Wald brauche ich sicher nicht!" Diese Aussage hörte unser rumänischer Airbnb Gastgeber prompt von mir, als er uns von einigen Highlights berichtete, die man in Klausenburg besichtigen kann.

"Bist Du sicher?" hakte er auf Englisch noch einmal nach und ich blieb bei meiner Entscheidung. Ich fand es zwar schön, dass man einen Wald als Highlight in einer Stadt betrachtete, doch wieso sollte ich viel Geld für dessen Besichtigung bezahlen? In meinen Augen sollte die Natur gratis für jedermann zugänglich sein und man sollte sie nicht dafür nützen, um anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nichtsdestotrotz war ich sehr aufgeregt. Ich wollte unbedingt zu diesem Wald. Meine Freundin war da anderer Meinung. "Du willst ernsthaft bei Dämmerungseinbruch zu einem Wald fahren? Das ist mir zu unheimlich!" Nach einigen Minuten debattieren konnte ich sie schlussendlich doch mit der Aussage: "Mach dieses Mal bitte eine Ausnahme für mich. Es ist ja nur ein Wald!", überzeugen.

Wir stiegen also in meinen Polo und fuhren, kurz bevor es dunkel wurde, los. In meinem Inneren spürte ich wie mein Herz immer schneller zu schlagen begann, denn ich wusste, dass es ein Abenteuer der besonderen Art werden würde.

Wir parkten das Auto auf einer Schnellstraße neben der Wiese und konnten komischerweise außer uns niemanden erblicken. Es war nicht einmal ein Haus in der Gegend, was meine Neugier noch mehr verstärkte. Wir spazierten langsam einen Grashügel hinauf und konnten dann nach kurzem Andauern, in einigen hundert Metern Entfernung, den Wald sehen.

Kurz vor dem Wald überkam mich plötzlich ein ganz eigenartiges Gefühl. Der Wald strahlte etwas aus, das ich nicht zuordnen konnte. Wir spazierten zu den Bäumen und überlegten einzutreten, doch plötzlich ertönte an einer einzigen Stelle im Wald das Gezwitscher von mehreren Vögeln, was für die kalte Jahreszeit definitiv nicht üblich war. Sie zwitscherten fortgehend weiter, ganz so, als ob sie uns etwas mitteilen wollten.

Nun wollte ich aber wissen, was das denn für ein Wald war. Ich holte mein Handy aus der Tasche, doch komischerweise hatte es kein Netz! Also mussten wir ein Stück zurückgehen, bis wir etwas vom Wald entfernt waren. Mittlerweile war die Sonne schon untergegangen und es wurde immer dunkler.

Und dann las ich es: "Hoia Baciu - der unheimlichste Wald der Welt!" "Regelmäßige Alien, Monster und Spukerscheinungen, sowie das Verschwinden von Menschen, die diesem Ort zugeschrieben werden, machen ihn in der ganzen Welt berüchtigt (so in etwa stand es in Wikipedia geschrieben). Als dann auch noch ein Auto am Waldrand entlang fuhr und ich mich niederkniete, fragte mich meine Freundin: "Was machst Du denn jetzt?" "Ach, nur die Aussicht genießen!" "Hast Du denn etwa Angst?" "Nein, ich doch nicht!"

Als ich dann vorschlug, dass wir umkehrten, saßen wir zum Glück kurze Zeit später sicher im Auto. Doch eines habe ich gelernt: Vermeide bei Dunkelheit den unheimlichsten Wald der Welt!

© David Preiß 03.02.2020