Im Leben bekommt man alles zurück!

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Im Leben bekommt man alles zurück! | story.one

"So ich bin dann dahin für heute! Schönen Abend noch!" Mit diesen Worten verabschiedete ich mich von den anderen Betreuern im Kinderdorf und spazierte zu meinem Auto. Es war bereits mitten im Winter und es schneite sehr stark. "Was für ein wunderschöner Anblick!" dachte ich erfreut, da ich das idyllische Ambiente genoss.

Tief in Gedanken versunken lenkte ich dann mein Auto um die Kurve, die das Ende des Geländes des Kinderdorfes bedeutete und kurz bevor ich dann zur Hauptstraße kam, musste ich abrupt bremsen. Mitten auf der Straße stand ein Mann und winkte mit beiden Händen wie verrückt! "Na super! Will mich der jetzt überfallen oder was geht jetzt ab?" dachte ich zum einen verärgert und zum anderen etwas besorgt. Aber es half alles nichts: Ich stoppte den Motor und stieg aus.

"Bitte hilf mir kurz! Da ist eine Katze angefahren worden und wenn wir ihr nicht helfen dann stirbt sie!" Na so etwas! Ich war nach dieser Aussage froh, jemanden wie diesen Mann auf der Straße anzutreffen, da mir sehr wohl klar war, dass viele andere die Katze einfach hätten liegen lassen. Wir fuhren also wieder zurück, wo ich mein Auto parkte und auch gleich in das besorgte Gesicht einer unsrer Betreuerinnen blickte. Wie sich herausstellte, war der Mann ihr Freund und da sie beide enorm tierliebend waren, konnten sie in so einer Situation nicht einfach nur zuschauen. Wir behielten die Katze alle im Auge und stellten sicher, dass sie bis zum Eintreffen der Tierrettung weiterhin unter uns verweilen würde.

Wir warteten ca eine halbe Stunde, bis die Katze abgeholt wurde. Später erfuhren wir dann, dass sie überlebt hatte. Der Freund der Betreuerin blickte mich frohen Herzens an und bedankte sich. Daraufhin entgegnete ich ihm mit einem Augenzwinkern: "Du weißt ja eh, im Leben bekommt man alles zurück."

4 Tage später: Ich war mit einem Kind unterwegs zum Zahnarzt, weil ein Kontrolltermin anstand. Nachdem ich das Auto geparkt hatte, standen wir vor der Straße, die uns noch von der Zahnarztpraxis trennte. Ich schaute nach links und in diesem Augenblick geschah es: Das Kind riss sich los und rannte einfach über die Straße! Leider kam genau in diesem Moment ein Auto auf uns zu und ich konnte in diesem Moment nichts mehr machen. Ein Schrei entriss sich meiner Kehle und dann wurde es still. Ich sah das Kind in Gedanken schon tot auf der Straße liegen, doch der Autofahrer hatte es Gott sei Dank früh genug gesehen und sofort eine Vollbremsung eingeleitet.

10 Zentimeter vor dem Kind kam das Auto dann zum Stehen. Zitternd und voller Adrenalin, bedankte ich mich beim Autofahrer und sagte dem Kind, dass ich froh sei, dass nichts geschehen war. Komischerweise verspürte ich aber eine innere Ruhe, die ich mir zuerst nicht erklären konnte. Doch dann bei der Rückfahrt leuchtete es mir ein: Man bekommt im Leben alles zurück! 4 Tage zuvor halfen wir der Katze und nun schien das Leben sich bei mir persönlich zu bedanken, indem das Kind unverletzt heimkehren konnte.

Life supports what supports life!

© David Preiß