Loyalität bis zum letzten Tag

Zitternd wirft mir Rita einen dankenden Blick zu, bevor draußen der nächste Knall ertönt. Ängstlich rollt sie sich wieder zusammen und wir beide hoffen innerlich, dass es bald vorbei ist: Die Silvesternacht 2018.

In meinem bisherigen Leben habe ich Tiere immer schon sehr geliebt. Tiere sind gutherzige Wesen, die von sich aus ohne Grund niemals einen Menschen verletzen würden. Diese vornehmlich Lebensweise bewundere ich schon lange. Dass meine Oma mir damals schon als Kind immer wieder wahre Tiergeschichten (sie stammt ursprünglich von einem Bauernhof) erzählte, prägte mich natürlich ebenfalls enorm.

Eine spezielle Tierart habe ich aber ganz besonders ins Herz geschlossen: Die Hunde. Für mich stehen diese für Loyalität, Vertrauen, Geborgenheit und Verbundenheit, weshalb ich in harten Zeiten regelmäßig gerne in deren Nähe war. Folglich ist mir das Wohlergehen der Tiere also ebenfalls sehr wichtig und ich kann es absolut nicht ausstehen, wenn ich sie leiden sehen muss. Dies geschah leider auch in der besagten Nacht:

Meine Freundin und ich hatten den Silvesterabend zuvor bei einer rumänischen Feier verbracht, um dann daheim gemeinsam mit ihren zwei Brüdern das Feuerwerk zu bestaunen. Anfangs lief auch alles einigermaßen gut, doch als immer mehr Knallkörper mit dröhnenden und zischenden Lauten im Himmel explodierten, konnte ich den Hund meiner Freundin nirgendwo mehr anfinden. Nach kurzer Suche fand ich Rita (ein weißer Bichon), die sich zusammengekauert unterm Waschbecken im Bad vergeblich nach Ruhe sehnte.

Ich streichelte sie sanft am Kopf und ihre Blicke sind mir bis heute in Erinnerung geblieben. Mit einem leuchtenden Funkeln musterte sie mich und begann leicht mit ihrem Schwanz zu wedeln. Obwohl ihr ganzer Körper zitterte, als hätte sie eine ganze Nacht in der ärgsten Kälte verbracht, versuchte sie sich an mich zu schmiegen und den Lärm von draußen zu vergessen. Immer wieder zuckte sie beim lauten Knallen der Raketen zusammen und warf mir sofort danach einen fragenden Blick zu, ob ich eh bei ihr bleiben würde.

Die ganze Szenerie ging mir wirklich sehr nahe. Ich konnte auch wahrlich spüren, wie wir zwei in dieser Situation extremes Vertrauen gegenüber aufbauten und wie sehr Rita die Zeit mit mir schätzte. Wir verbrachten mehr als dreißig Minuten gemeinsam, bis das Ärgste vorbei war und sie sich wieder sammeln konnte. Sie folgte mir auf Schritt und Tritt und nun komme ich zum Punkt, der mich am meisten bewegt:

Heute noch, zwei Jahre nachdem dies geschehen ist, folgt sie mir auf Schritt und Tritt wenn ich in ihrer Nähe bin, so als wolle sie mir ihre Wertschätzung in jeder gemeinsamen Sekunde entgegenbringen. Egal, wie schlecht ich auch gelaunt bin, mit Rita habe ich einen der loyalsten Freunde gefunden, die man sich nur vorstellen kann.

Wie oft versuchen wir Menschen den höchsten Berg zu besteigen, während wir über Maulwurfshügel stolpern! Die kleinen Gesten sind es, die das Leben ausmachen!

© David Preiß