Nette Bekanntschaft in der Tiefe der Meere

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Nette Bekanntschaft in der Tiefe der Meere | story.one

Kein Mensch weit und breit. Eine angenehme Stille, die einen das Zeitgefühl vergessen lässt. Das Glitzern der wärmenden Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche und eine blaue Farbe, die einen wie eine weiche Decke umhüllt. Dann ein Schnattern und plötzlich wird einem klar: Jetzt ist es soweit!

Wie fühlt es sich an, inmitten der Meere auf eine der wohl beliebtesten Tierarten zu stoßen? Diese Frage beschäftigte mich schon mein ganzes Leben. Alleine die Tatsache, dass der Mensch angeblich mehr über die Weiten des Weltalls, als über die Tiefen der Meere weiß, ließ mich förmlich vor Ehrfurcht erzittern. Also war mir schon im Kindesalter eines klar: Eines schönen Tages werde ich mit Delfinen schwimmen!

Als ich dann vor gut drei Jahren meine bessere Hälfte kennenlernte, die ebenfalls diesen Traum besaß, war es klarerweise nur mehr eine Frage der Zeit, bis dieser Traum Realität werden würde. Folglich setzten wir uns letztes Jahr im Sommer vor den Laptop und suchten einen Ort, der abseits des alltäglichen Lebens voller Überraschungen und Abenteuer strotzt. Mit Madeira wurden wir fündig und buchten sofort unseren Urlaub.

Als wir dann drei Wochen später im Schlauchboot saßen und Ausschau nach den beliebten Meeressäugern hielten, wurde unsere Geduld zuerst einmal ordentlich getestet. Das einzige Lebewesen, das wir neben uns wahrnehmen konnten, waren ein paar freche Möwen, die interessiert über unseren Köpfen kreisten. Waren wir wirklich umsonst nach Madeira gekommen? War die Entscheidung, an diesem Tag in See zu stechen, die falsche gewesen?

Als auch 20 Minuten später noch nichts Aufregendes geschehen war, akzeptierte ich die Tatsache, dass wir vermutlich keine Delfine mehr zu Gesicht bekommen würden und versuchte trotzdem das Beste aus der Situation zu machen. Doch wie es im Leben oft so zugeht, gehen unsere Wünsche dann in Erfüllung, wenn wir sie loslassen.

Unser Guide bedeutete uns dann mit einer abrupten Geste, dass wir ins Wasser gehen sollten, da er offensichtlich etwas gesehen hatte. Wir folgten seiner Aufforderung und dann geschah es: Vor uns zeigten sich rund 50 (!!) Delfine, die verspielt und interessiert um das Boot schwammen. Den Moment, als ich vollkommen unter Wasser war und in der Tiefe des Ozeans in die neugierigen Gesichter dieser wunderbaren Tiere blickte, werde ich nie mehr vergessen.

Ich verlor unter Wasser vollkommen die Orientierung und wusste nicht mehr, wo unten und oben war, da das kristallklare Wasser überall gleich aussah. Doch das war mir egal. Ich lauschte gespannt dem Singen der Delfine, verfolgte ihre anmutigen Bewegungen und beobachtete sogar, wie einer unter meiner Freundin durchtauchte und sie fast beim Bein berührte. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie die Delfine im tausend Meter tiefen Meer übereinander umhertanzten und uns vergnügt anschauten. Die Tiere begleiteten unser Boot noch einige Minuten, bevor sie mit hohen Sprüngen davonjagten und uns fasziniert zurückließen.

© David Preiß 26.01.2020