Indien: Die verkannten Beschützer

Drei Frauen waren wir, die wir uns auf den Weg nach Indien machten. Am Flughafen in Wien wartend, kam ein indischer Mann auf uns zu. Er hatte aufgeschnappt, dass wir von Frankfurt mit dem gleichen Flieger nach Indien weiter reisen wollten. Er war nett, ließ uns in Frankfurt nicht aus den Augen und auch bei der Ankunft in Indien blieb er in unserer Nähe bis wir ins Taxi stiegen. Wir interpretierten sein Verhalten als anbaggernd. Nun gut es trennten sich sowieso unsere Wege.

Während unseres Aufenthaltes in Indien, erfuhren wir von einem Bombenanschlag in Sri Lanka und mussten uns um neue Tickets für den Rückflug kümmern. Zuzweit fuhren wir mit dem Autobus zum Reisebüro. Alleine diese Fahrt war mehr als abenteuerlich. Wir zwei schwitzend in dem Bus eingepfercht, während die Inder aus ihrer Hütte in einem sauberen und trockenen Sari oder Anzug kamen und keine einzige Schweißperle auf ihrem Gesicht zu sehen war. Endlich war ein Platz ganz hinten im Bus frei. Ich setzte mich nieder. Ich vermute, dass der Autobus keine Stoßdämpfer hatte. Jedenfalls der Magen hing stieg mir bis zum Hals und wer anfällige Bandscheiben hatte, war in höchster Gefahr.

Für den Rückweg entschieden wir den Zug zu nehmen. Anfänglich waren genügend Plätze frei, der Zug füllte sich aber. Wir hatten eine längere Fahrt vor uns. Die Landschaft glitt an uns vorbei, die Haltestellen waren gut angeschrieben, sodass wir uns genüsslich zurücklehnen konnten. Nicht gerechnet hatten wir mit der Dunkelheit, die schnell einfiel und da die Haltestellen nicht beleuchtet waren, konnte man nicht erkennen, wo der Zug gerade hielt. So baten wir einen Mann uns zu helfen um bei der richtigen Station auszusteigen. Alleinreisende Frauen gab es sonst keine! Er fragte wohin wir nach der Zugfahrt weiterreisten und wie wir an unseren Zielort kommen wollten. Als er Rikscha und noch ein kleines Boot hörte, schüttelte er heftig den Kopf. Er stieg an der gleichen Haltestelle wie wir aus, drängte uns zu einem Taxistand, suchte einen geeigneten Fahrer aus, fixierte den Preis und wir stiegen unangenehm verwundert über sein Engagement ins Taxi. Endlich standen wir um 22 Uhr am Backwater . Ein kleines Boot mit zwei Männern mit rotunterlaufenen Augen, stand bereit. Da wir gehört hatten, dass die Fährpreise exorbitant stiegen, wenn Westler übersetzt wurden, handelten wir den Preis runter. Sie blieben stur und entschieden nicht zu fahren, wir weigerten den Preis zu zahlen. Als wir ungefähr 1/4 Stunde in dieser Pattstellung verharrten und die zwei Männer uns immer näher kamen, packte uns die Angst und wir zahlten ihren Preis.

Erst später als die Berichte über vergewaltigte Frauen im indischen öffentlichen Verkehr auftauchten, wurde mir bewusst, wie naiv und gefährlich wir unterwegs gewesen waren und wie der Mann am Flughafen und der im Zug uns keineswegs angebaggert oder entmündigt hatte, sondern vor allem der Mann im Zug, sich mit berechtigter Sorge um uns Frauen gekümmert hatt

© Denise