Österreichisches Lernen

Vor vielen Jahren, aus Belgien kommend, sprach ich schon ein passables Deutsch und bewarb mich für eine Stelle bei der NÖ.Landesregierung. Mein Freund führte mich vor dem Bewerbungsgespräch ins Dickicht des österreichischen Beamtenwesens ein. Gut vorbereitet, ging ich in die Herrengasse und klopfte an die richtige Türe. Nach einem forschen "Herein" betrat ich den großen Saal, wo einsam ein kahlköpfiger Herr würdevoll hinter einem großen, leeren Schreibtisch thronte. Ich war von dem prunkvollen Ambiente schwer beeindruckt und begrüßte ihn freundlich mit "Guten Morgen Herr Krause". Flugs griff er in seine Schreibtischlade und würdigte mich, auf meinem langen Weg zu seinem Schreibtisch, keines Blickes mehr.

Nachdem alle wichtigen Dinge besprochen waren, äußerte ich den Wunsch, eine Stelle in der Nähe von Wien zu bekommen. Herr Krause spannte seinen Rücken an, hob seinen Kopf, dachte ein Weilchen nach und mit einer süffisanten Überlegenheit meinte er mit sanfter Stimme: "Was würden Sie von Gmünd halten, das liegt an der Franz Josefs Bahn". Ich, in der österreichischen Geografie noch ahnungslos, antwortete freundlich: "Ja, die Stelle würde ich nehmen". Ich wohnte damals 5 Minuten vom Franz Josefs Bahnhof entfernt, so konnte - in meiner Logik - Gmünd nicht weit weg sein. Abrupt stand Herr Krause auf, streckte mir die Hand entgegen und verwies mich an die Fachaufsicht.

Mit gesenkten Kopf ging ich nach Hause, wo mein Freund gespannt wartete. Das Fiasko mit Gmünd war schnell geklärt, keine Spur von Wien-Nähe, sondern 145 Km weit eintfernt an der tschechischen Grenze. Aber wo war der Anfang der Irritation? Das Gespräch spulten wir mehrmals hin und zurück. Nichts zu finden. Eine verzweifelte letzte Frage meines Freundes: "Wie hast du ihn begrüßt"? "Na, mit Guten Morgen Herr Krause". Da schlug er die Hände über dem Kopf zusammen, denn daran hatte er nicht gedacht. Herr Krause war nicht nur DR. Krause, sondern Hofrat DR. Krause und dann noch ein wirklicher Hofrat Dr. Krause! Und im katholischen Niederösterreich begrüßt man Beamte nicht mit dem flapsigen deutschen 'Guten Morgen', sondern mit einem 'Grüß Gott'.

Trotz allen Fauxpass bekam ich eine Stelle in der Nähe von Wien, war damals die einzige Beamtin mit einer grünen Gastarbeiterkarte und hatte 5 Jahre die 'Ehre' mich im Umgang mit dem östereichischen Beamtenwesen zu üben. Am Ende musste ich feststellen, dass mir als Auslandsgeborene der Zugang dazu lebenslang verborgen bleiben wird. Ich weiß noch immer nicht was ein UNwirklicher Hofrat ist!

© Denise