Hallo Luise und tschüss

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Hallo Luise und tschüss | story.one

Luise ist mein Pseudonym. Irgendwie naheliegend, und eigentlich war es das schon irgendwie immer. Aus Jux und Tollerei zu Schulzeiten angefangen, haben wir uns ab und an mit aus der Mode gekommenen Namen angesprochen. Luise, Frieda, Seppeline, Kunigunde, …ein Insider entstand und jeder wusste sofort der Rest von diesem Satz wird lustig. Die Intention dahinter war sofort zu erkennen. Es schuf eine ganz spezielle Verbundenheit und unfassbar viel Humor. Kleine Dinge die auch Jahre nach der Schule, wenn sich das Leben so verläuft, aufrecht blieben, und trotz Entfernung stets sofort Nähe schufen. Als wär es gestern gewesen.

Luise und Frieda, waren damals beste Freundinnen, sie haben zusammen die Matura gemeistert, die Schule geschwänzt, den Führerschein gemacht, das erste Auto und die dazugehörige Werkstatt erkundet. Sie haben erste Schritte in der Großstadt getapst und ihr liebstes gemeinsames Foto ist auf der ersten Studentenparty dort entstanden. Sie haben sich mit den Hürden des Berufslebens und jenen des Liebeslebens herumgeschlagen. Und leider haben sie sich auch irgendwann aus den Augen verloren, aber zum großen Glück auch wieder gefunden. Und dann war es als wär es gestern gewesen.

Die Lebensumstände hatten sich verändert, aber wir uns irgendwie nicht und dennoch aber schon. Ich bin weggezogen, habe geheiratet und war dann plötzlich krank. Und sie, sie war die Lebensfreude und Menschlichkeit in Person, vorbildlicher und mutiger wie das mutigste Vorbild, fleißig und beliebt wie eh und je und sie hatte immer Verständnis für alles, auch für das was sie nicht verstand. Die Erkrankung zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Sie besuchte mich, schickte mir Päckchen und ihre Nachrichten fingen oft mit „Hallo Luise“ an und dann war es als wär es gestern gewesen.

Irgendwann brach der enge Kontakt leider ab. Ich habe viel an sie gedacht und ich bin mir sicher sie auch an mich. Auf Facebook sah ich tolle Bilder von ihren Ausflügen und als sie von der Plattform verschwand sah ich ab und an auf die Homepage ihrer Arbeitsstelle und war beim Erhaschen ihres Fotos beruhigt zu wissen, dass es ihr gut geht. Zu ihrem 30. Geburtstag schrieb ich ihr ein Mail. Neun Monate später schrieb ich an ihrer Grabrede mit. Ende des Jahres fuhr ich nachts durch eine warm beleuchtete Winterlandschaft in ihren Heimatort zu ihrer letzten Ruhestätte, wo ich mit dem Blick auf ihr Foto eine Kerze anzündete und dann war es als wär es gestern gewesen.

Mein Handy vibrierte nun noch eine Zeit lang mit „Hallo Luise“ - Emailbenachrichtigungen von story.one.

Aber wie Gerhart Hauptmann trefflich sagt „Mit jedem Menschen stirbt eine ganze Welt.“ Und ich ergänze mit „auch ein Teil von mir selbst.“ Luise und Frieda werden immer im Herzen sein, gemeinsam, mögen sie dort nun in Frieden ruhen.

© Desiree-aka-Luise