Meditation - von den kreischenden Affen

Um 5 Uhr läutet der Wecker. Heute klingt er ausnahmsweise freundlicher. Drei Stunden später auf der Leckfeldalm: Raus aus dem Auto, rauf mit dem sorgfältig gepackten Rucksack. Die Vorfreude hat ihren Höhepunkt erreicht. Unser erstes Etappenziel, die Sillianer Hütte, ist schon von weitem zu sehen. Mit zunehmender Wegstrecke macht sich eine gewisse Leichtigkeit breit. Dem lieben Gott ein bisschen näher kommen. Ich schätze die Ruhe, die mir die schönen unbekannten Berge und mein Wanderpartner gönnen. Geschwätzige Menschen sind eine Belastung für den Geist.

Mein Schwager und ich genießen das atemberaubende Panorama der wild zerklüfteten Sextener Dolomiten und folgen dem Karnischen Höhenweg. Die geschwätzigen Affen im Kopf schweigen. Es ist wunderbar ruhig. Selten nehme ich diesen gesuchten Zustand unmittelbar wahr. Erst wenn die Affen wieder kreischen, die belastenden Gedanken des Alltags zurückkehren, wird man sich dieses eben erlebten Zustands der Schwerelosigkeit (im wahrsten Sinne des Wortes) bewusst.

Die tibetischen Gebetsfahnen der Filmoor-Standschützenhütte flattern im Wind. Die gläubigen Buddhisten gehen davon aus, dass die auf den Gebetsfahnen aufgedruckten Mantras (Gebetsformeln) durch den Wind aktiviert werden und so ihre positive Wirkung entfalten.

Eine Tasse schwarzer Tee tut gut. "In eine volle Tasse Tee kann man nichts hineinschütten", sagen die Chinesen. Mein Kopf ist leer, angenehm leer. Wir kosten das Hier und Jetzt voll aus. Wir leben im Augenblick, keine Zukunftsängste drücken. Weit nach Mitternacht lasse ich den Tag in der Badewanne Revue passieren, einfach nur zufrieden. Im Kopf "zu Frieden" gekommen. Und die Affen kreischen noch immer nicht.

© Die_Hummel