Die perfekten Eltern

  • 325
Die perfekten Eltern | story.one

Von Eltern erwartet man doch das sie alles richtig machen, die Kinder zu kultivierten Erwachsenen erziehen. Aber denkt man auch daran das Eltern auch nur Menschen sind. Menschen mit Sorgen und Ängsten.

Nehmen wir meine Eltern zum Beispiel.

Ich denke viele Dinge die mir heute als erwachsene Frau passieren und einige meiner Denkweisen führen auf meine Kindheit zurück. Der Wunsch anderen zu gefallen, es den Menschen recht machen zu wollen, eher in den Hintergrund zu rücken und zu denken ich sei nicht gut genug. Gleichzeitig aber eine extrem kurze Zündschnur zu haben. Ja, ich denke da ruft bereits jeder Psychologe "Ah, das innere Kind".

Aber ebenso meine liebevolle Art, das offene Ohr für Freunde aber auch Fremde und die Kunst auf eigenen Beinen zu stehen und mich jeden Problem im Leben zu stellen - all das sind Dinge die mir meine Eltern mitgegeben haben.

Man bedenke - meine Eltern sind beide Baujahr 1955. Damals herrschte noch Tito und der Kommunismus. Sie stammen aus einer Zeit wo vieles noch anders war als heute. Und auch sie haben so einige Lasten von ihren eigenen Eltern und Schwiegereltern aufgebürdet bekommen. Dann kam auch noch der Krieg, die Flucht, das fremde Land, die fremde Sprache.

Sie kamen mit nichts. Und gaben uns dennoch alles.

Meinen Brüdern und mir fehlte es an nichts. Wir hatten zwar nicht die neuesten Klamotten aber die die wir hatten waren sauber und ordentlich. Das neueste Spielzeug gab es nicht aber dafür waren wir viel in der Natur. Ihr versteht vorauf ich hinaus will ...

Klar, musste ich recht schnell erwachsen werden. Den da waren diese Behördengänge, diese Arztbesuche und dieses verflixte Deutsch. Es geht gar nicht darum dass meine Eltern kein Deutsch können, nein es geht darum dass sie oft einfach nicht gehört werden, weil da eben dieser Akzent ist.

Und jetzt versetze ich mich mit meinen 28 Jahren in die Haut meiner Eltern. Meine Mutter war damals nur ein paar Jahre älter als ich.

Verdammt, sie hat ihr Bestes gegeben! Diese Frau die nur bis zur vierten Klasse die Schule besuchen durfte, lernte mit mir für jeden Test. Egal wie müde sie nach der Doppelschicht war.

Ebenso wie mein Vater. Auch wenn er mit einem Zweier nie zufrieden war. Heute verstehe ich dass er sich nur Sorgen machte und wünschte dass ich irgendwann auf eigenen Beinen stehe. Es waren vielleicht mit den Wutausbrüchen und den daraus folgenden Reaktionen die falsche Methode aber der Sinn war der richtige.

Ich kann mir gar nicht vorstellen welche Ängste und Sorgen sie damals plagten. Wie viel mentale Stärke es benötigt, in diesem ganzen Chaos dennoch Zeit und Gehör für eine kleine Tochter aufzubringen. Irgendwie schafften die beiden es sogar mich fast jedes Wochenende aus dem Haus zu bringen. Sei es zum Wandern, in den Tierpark oder einfach nur zum Radfahren.

Keiner ist perfekt. Eltern schon gar nicht.

Aus diesem Grund sollte man ihnen verzeihen und danken! Für die Kraft und die Stärke die in ihnen steckt auch wenn sie Fehler gemacht haben.

© DieNeue 02.03.2020