Der Urzustand.

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Der Urzustand. | story.one

Jetzt geht es mir gut. Ich schreibe als klares Ich. Als starke, unabhängige, friedliche, lebenslustige, optimistische, aktive, offene, abenteuersuchende, wachsame, achtsame Frau. Ich finde mich schön, ich mag mich. Ich finde meinen Partner schön, ich mag ihn. Sehr sogar. Das ist mein Urzustand, der Zustand, in dem ich mich als voll und wahr erlebe. Das bin ich. So bin ich. Und so fühle ich mich sehr wohl. Dieser Urzustand ist mein liebster Zustand. So möchte ich die ganze Zeit sein. Es ist einfach. Ich bin einfach und das Leben ist einfach.

Meine Beziehung ist schön. Sie macht mir Freude und ich bin voll und ganz zufrieden. Kein Zweifeln, keine Unsicherheiten. Ich bin voll da und bin glücklich darüber. Ich habe meinen Partner auch schon vorgewarnt. Dass ich bald wieder anders sein werde, höchstwahrscheinlich. Dass diese Tage bald kommen, es könnte sogar morgen sein. Datummäßig wäre es rund um die Hälfte des Monats.

Mitunter kann dies auch ein Grund sein, dass Momente in meiner vorhergehenden Beziehung immer wieder so eskaliert ist. Weil dieser Situation weder von mir, noch von meinem damaligen Partner Verständnis entgegengebracht wurde. Wie auch? Nicht einmal ich wusste, was los ist. Beziehungsweise, dass etwas los ist.

Mein heutiger Partner, mit dem ich viel darüber sprechen kann, nimmt diese Tatsache an. Er unterstützt mich, auch wenn es manchmal nicht leicht für ihn ist. Er muss meine Wut- und Tränenausbrüche aushalten. Zu ihm werde ich patzig und ungehalten. Ich nehme Dinge an ihm wahr, die mich stören, die ich im Urzustand kaum bis gar nicht bemerke, geschweigedenn, dass sie mich da stören würden. Und ich äußere das auch, in einer Art und Weise, die ich besonders in diesen Tagen - aber auch sonst - nicht gut aushalten würde.

Aber in diesen Tagen halte ich es kaum aus. Mein Partner hält mich, wenn ich es zulasse und brauche. Er sagt mir immer und immer wieder, dass diese Tage und diese Momente an diesen Tagen nicht das Leben sind. Dass dieser kleine Ausschnitt nicht alles verändert. Dass es zwar anstrengend und lästig ist - für mich und für ihn - dass es aber vorübergehen wird. Und dass es ok ist. So, wie es ist.

Ich bin gespannt, ob und wann der Moment kommt, dass ich verstehe, wieder in diesen Tagen zu sein. Fokussiere ich mich zu viel darauf? Nehme ich beim kleinsten Ansturm von Unsicherheit diese Tage als Vorwand? Merke ich, dass ich mich eindrehe oder wird es mir erst bewusst, wenn ich eingedreht bin? Das werde ich sehen. Und versuchen, es festzuhalten.

© DiePampelmuse 23.06.2019