WO IST SIE ???

Spätestens seit Wolfgang Ambros es in seinem bekanntesten Lied besungen hat, bedeutet bedeutet Zell am See für jeden Wiener, der etwas auf sich hält, etwas Besonderes. Mit meinem skifanatischen Vater fuhren wir jedes Jahr fünf Wochen Ski, mindestens eine davon in Zell am See. Jede Piste konnte ich im Blindflug hinunterwedeln, von Hinterglemm über Saalbach bis zur Schmittenhöhe und zum Kitzsteinhorn. Auch bei Nebel alles kein Problem.

Nachdem ich den Kinder(ski)schuhen entwachsen war, absolvierte ich einen Skilehrerkurs am Kitzsteinhorn. Natürlich war das Skifahren dabei das Wichtigste, das Zweitwichtigste aber war das Apres-Ski, und da entdeckten wir, eine Horde wedelnder Studenten, die sogenannte Baum-Bar in Kaprun. Dort war am Abend die Hölle los! Für junge Skilehreranwärter, gröhlende Urlauber und gestandene Einwohner genau das Richtige! Kaum war der eine Winter vorbei, stand der nächste schon vor der Tür.

Diesmal unterrichtete ich in einer Skischule. So wie es sich gehört, am Anfang die Kleinsten der Kleinen. Diese wurden meist schon recht früh von ihren Eltern abgeholt, sodass am Ende des Skitages noch genug Zeit blieb, um ohne windeltragender Anhängsel nach oben zu fahren und endlich so richtig runtersausen zu können. Dabei traf ich einmal einen Skilehrerkollegen und fuhr zum Spaß in seiner Gruppe mit. Es waren ein paar nette Leute dabei und wir verabredeten uns für den Abend. Ich schlug vor, die Baum-Bar zu besuchen, und so fuhren wir am Abend beschwingt Richtung Kaprun. Als Tochter eines Militaristen bin ich nicht nur von Natur aus mit einem guten Orientierungssinn ausgestattet, dieser wurde von meinem Vater in Kindheitstagen zusätzlich noch gedrillt. Und dieser führte mich genau dorthin, wo in meiner Erinnerung die Baum-Bar war. Nur – es war dort weit und breit nichts – nur gähnende Leere, außer verschneiten Wiesen und Feldern nichts zu sehen! „Bin ich schon total verrückt?“ dachte ich. „Ich bin mir sicher, dass genau hier diese Bar war!“ Es war mir wahnsinnig peinlich, hatte ich doch den Vorschlag gemacht und die ganze Gruppe dorthin gelotst. „Typisch Frau!“ dachten sich damals sicher einige männliche Wesen! Wir fuhren alle möglichen Nebenstraßen ab, aber die Suche blieb erfolglos. Ich zweifelte an meinen Sinnen. An diesem Abend mussten wir uns eine andere Bar suchen.

Das Ganze ließ mir keine Ruhe und ich erzählte es am nächsten Tag einem einheimischen Kollegen. Der begann über das ganze Gesicht zu grinsen und meinte, es wäre kein Wunder, dass ich die Baum-Bar nicht gefunden hätte, die wäre nämlich abgebrannt! Das war also des Rätsels Lösung! Ich war richtig erleichtert, konnte ich meinem Orientierungssinn doch weiterhin vertrauen. Meines Wissens wurde die Baum- Bar kurze Zeit später wieder aufgebaut – ich war aber nie wieder dort, weil meine weiteren Zell am See Besuche mit meinen eigenen Kindern stattfanden, und ich abends anderes zu tun hatte, als in Bars herumzuhängen!

© Doris Dörfler