Als ich im Himmel gebadet habe

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Es war kein strahlend schöner Tag als ich aufs Meer hinausblickte; dichter Dunst hatte sich über alles gelegt, alles eingehüllt, verschluckt. In dieser mystischen Stimmung machte ich eine Erfahrung, die unbeschreiblich schön war.

An diesem Morgen tauchte ich ins spiegelglatte Meer ein und ließ mich ein wenig treiben. Kein Mensch weit und breit. Meer, Himmel und Land gingen ineinander über, alles war ein einziges Blaugrau, es gab keine Grenzen, alles war eins und ich mitten drin in dem Einen, Teil des Einen. Ich erlebte keine Sensation, aber etwas Sensationelles, eine stille ‘Gotteserfahrung‘, eine Begegnung mit Liebe, Unendlichkeit, Verbundenheit, Sicherheit und grenzenlosem Vertrauen.

Während ich im Wasser trieb und ins Unendliche starrte, wurde ich von Gefühlen überwältigt, die ich noch nie erlebt hatte. Aus dem Nichts war plötzlich alles da in mir, ein Gefühl für den Himmel auf Erden, die unendliche Schöpfung, Liebe, Gott und von mir als Teil von allem, aufgehoben, sicher und behütet im Meer des Universums.

Ich war in die Unendlichkeit eingetaucht und dabei gleichzeitig absolut gegenwärtig. Ich fühlte mich unverletzlich und erfüllt von einem großen, neuen Vertrauen ins Leben, in mein Dasein.

Wie lange ich so dahintrieb, weiß ich nicht, aber als ich irgendwann wieder aus dem Wasser stieg, das Meer der überirdischen Empfindungen verlassend, fühlte ich mich wie neugeboren, frisch, stark, sicher, geliebt und ohne die geringste Angst, nur erfüllt von Liebe, Freude und Seligkeit.

Einige Zeit war ich richtig high von diesem Zauber, ich schwebte durchs Leben; ich hatte erfahren, dass mich das Leben bedingungslos trägt, dass ich mit dem Leben eins bin und meine Begeisterung war grenzenlos. Diese Magie, der ich begegnet war, hatte in mir ein so tiefes Gefühl von innerem Frieden, Geborgenheit, Sicherheit und Freude ausgelöst, dass es nichts mehr zu geben schien, das mir Angst machen könnte, mich aus der Ruhe bringen oder unglücklich.

Über Tage und Wochen wurde ich von diesem Hochgefühl durchs Leben getragen. Ich fühlte mich stark und frei und ganz in mir ruhend, sodass es ein Leichtes war, ganz die zu sein, die ich sein möchte. „Was ist mit dir“ fragten mich alle, „du strahlst so, bist du verliebt?“ Ich war verliebt, nicht normal verliebt, sondern ins Leben.

Irgendwann war er wieder da, der graue Alltag, der von mir Besitz zu ergreifen versuchte, mich einfangen wollte. Anfangs merkte ich es nicht, es schlichen sich alte Ärgernisse ein, neue Verletzungen, Unsicherheiten und Ängste; aber in diesen Zeiten der Rückfälle und Schwächen bewahrt mich nun meine magische Unendlichkeitserfahrung, mit dem starken Grundgefühl von Sicherheit und Vertrauen vor dem dauerhaften Abdriften. Die Offenbarung des Göttlichen, des Ewigen, des Grenzenlosen, die ich so intensiv gespürt hatte, holt mich dann zurück und lässt mich wieder mich selbst als Teil der Schöpfung verstehen, nicht allein, sicher, aufgehoben und verbunden mit allem.

© Doro