Amici

Freundschaft, entstanden vor Jahrzehnten, in über 1000 Kilometer Entfernung, während unserer kostbaren Wochen am Meer im Süden Italiens. Sie überstand alles, so viele Katastrophen und Lebensstürme, das erwachsen Werden unserer Kinder und die latente Sprachbarriere. Sie kam als Urlaubsgeschenk und überdauerte unseren Alltag und die vielen Monate und Jahre in denen wir uns nicht gesehen haben. Sie war immer da und wenn wir wieder zusammenkamen, schlossen wir da an, wo wir aufgehört hatten; da spielten Raum und Zeit nie eine Rolle.

Unsere Jüngsten gingen nicht einmal noch in die Schule als wir uns einst am Strand kennenlernten. Dort waren wir quasi Exoten als einzige Ausländer in dem in die Jahre gekommenen Apartmentbau unter all den italienischen Familien, die dort alljährlich ihre Sommerferien verbrachten. Und weil es unter den Italienern so schön war, kamen auch wir immer wieder für ein paar Wochen.

Nähergekommen sind wir uns über unsere Kinder, die sich auch ohne ein Wort miteinander reden zu können bestens verstanden. Die Strandgespräche wurden mehr, erste gemeinsame Abende bei einem Glas Wein folgten, wurden immer länger und intensiver. Obwohl unser Italienisch nicht alle Bereiche abdeckte, war es uns möglich über wirklich alles zu reden - wir verstanden uns einfach.

Den Kontakt übers Jahr hielten wir mit Emails - das Telefonieren war ja damals noch teuer – also eine gute Gelegenheit unser Italienisch aufzumöbeln. Wenn wir alljährlich im Juli an unserem Ort der sommerlichen Glückseligkeit zusammenkamen, hatten wir stets kulinarische Überraschungen im Gepäck, die wir uns an wunderbaren Abenden kredenzten, sie italienische, wir österreichische Köstlichkeiten. Wir schlemmten, lachten, spielten und führten tiefsinnige Gespräche. Wir kamen auf den Geschmack der in Vin Santo oder Espresso getunkten Cantuccini und genossen unvergleichlichen Prosciutto und Salame aus dem Betrieb der Schwester. Gemeinsam machten wir wunderbare Ausflüge. Durch unsere italienischen Begleiter lernten wir so Land und Leute noch viel besser kennen und lieben. Legendär waren auch unsere partite di boccia, die wir mit den Kindern stundenlang am Sandstrand mit unermüdlicher Begeisterung spielten und damit andere animierten.

Zwischen unseren Urlauben haben wir uns öfters in Modena oder in Salzburg besucht und so diese Städte und das Leben auch mit ihren Festen kennengelernt. Einmal verbrachten wir ein unvergessliches Osterfest bei unseren Freunden, wo wir bei einer nicht enden wollende Osternachtsmesse Messe dabei sein durften, die für uns völlig überraschend mit dem Zerschlagen eines riesigen Schoko-Ostereis am Altar und dem Verteilen der Stückchen endete.

Unsere Beziehung war über die Jahre so innig geworden, dass meine damals noch sehr junge Tochter, unter dem Eindruck einer Serie von Todesfällen in der Familie meinte, dass sie bei unseren Amici leben möchte, wenn mit ihren Eltern etwas passieren sollte.

© Doro