Askese

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Man könnte es Askese nennen, was ich gerade probiere, obwohl man da nur an Verzicht denkt, Verzicht auf die schönen Dinge des Lebens. Sicher, im engeren Sinn meint Askese ein Zurücknehmen aus religiösen oder philosophischen Beweggründen, um über sich die Kontrolle zu erlangen, den Charakter zu festigen, Tugenden zu stärken….

Wäre es möglich, mir durch Askese vielleicht mein Urlaubs-Glücksgefühl dauerhaft zu bewahren?

Keine Sorge, ich befinde mich nicht auf einem skurrilen Trip von Selbstkasteiung. Es ist mir sehr bewusst, dass ich mich um meine Bedürfnisse gut kümmern muss, um zufrieden und glücklich zu sein. Weil mir aber persönliche Freiheit, innere und äußere Unabhängigkeit wichtig sind, ja essenziell für ein Leben voll Freude, Energie, Inspiration und Liebe erscheinen, experimentiere ich nun mit einer speziellen Art der Askese.

Während meiner Rückzüge in das einfache, stille, aber schöne und Kraft spendende Leben am Meer, wo ich wegen meines Kleinkind-Türkisch keine News sehe und kein Radio höre, gelingt es mir immer wieder in diesen Zustand vollkommener innerer Ruhe, Freude, Demut, Dankbarkeit und Achtsamkeit zu gelangen. Ich befinde mich quasi in einer heilen Welt, wissend, dass es das andere alles gibt, aber ohne ständig den Katastrophenbildern, Schreckensmeldungen und Sensationsnachrichten ausgesetzt zu sein. Es gibt nicht schon am Morgen Negativnews, kein Mainstream-Gequatsche, keine Zeitverluste, keine für mein Leben irrelevanten Sensationsabartigkeiten. Und das Wetter ist, wie es ist und es ist gut, genau wie mein Befinden.

Seit ich mit meinem seligen Glücksgefühl zurückgekommen bin, vermeide ich möglichst jede Negativ-Manipulation. Ich will nicht mehr zulassen, dass mich der Angst- und Negativvirus infiziert und mein Denken und Fühlen lenkt. Im Himmel möchte ich mich weiter fühlen und Herrin über mein Wohlgefühl sein.

So entziehe ich mich der Manipulation durch Worte und vor allem Bilder, die sich in die Seele einbrennen. Nachrichten konsumiere ich nur noch in einer selbstbestimmten Dosis. Damit stellt Askese für mich keinen Verzicht, sondern einen Gewinn an Lebensqualität dar, mit der bewussten Abgrenzung als Selbstschutz.

Natürlich will ich weiter informiert sein und wissen, was sich Relevantes in der Welt tut, aber das erfahre ich auch aus der Zeitung, ohne schon morgens von Hiobsbotschaften niedergeschmettert zu werden, mit denen ich während des ganzen Tages weiter bombardiert werde, um am Abend mit den schrecklichsten Bildern aus den Nachrichtensendungen schlafen zu gehen. Das Bild in der Zeitung genügt.

Nun wähle ich mir aufbauende Musik, genieße die erste Tasse Kaffee und starte positiv in den Tag. Kein dummes Gesudere, keine zynischen Statements, keine Sensationen mehr, nur ruhiges schönes, friedliches in den Tag Gleiten. Mit dieser ‘Askese‘ erlebe ich die Fülle, die mir noch immer mein Glücksgefühl erhält und mich ruhig und liebevoll durchs Leben gehen lässt.

© Doro