Confetti, Trabocchi und die Künste

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Viele Urlaube hatten wir unter italienischen Familien am Meer verbracht, wo die Provinzen Molise und Abruzzen aneinander stoßen. Ein schöner Flecken Erde mit Hügeln und Bergen, wilden Kräutern, die einen herrlichen Duft verbreiten, riesigen Sonnenblumenfeldern, weiten Stränden mit feinem Sand, daneben aber auch schroff ins Meer abfallenden Felsen und den für diese Region typischen Trabocchi, kunstvollen Fischfang-Konstrukten im blauen Meer.

Die Menschen hatten uns freundlich in ihrer Mitte aufgenommen und uns immer wieder mit ihrer Gastfreundschaft berührt.

So auch Erminia und Franco, die uns nach Sulmona eingeladen hatten, in eine alte Kleinstadt mitten in den Abruzzen. Gestärkt mit Kaffee und wunderschönen, köstlichen italienischen Törtchen, lernten wir die Heimatstadt Ovids kennen, der mich beim Übersetzten seiner Verse einst in die Liebeskunst eingeführt hatte.

Sulmona beeindruckte uns mit ihren schönen alten Stadttoren, Kirchen, Plätzen und dem Aquädukt, besonders aber auch mit den vielen Geschäften, die so viel Farbe in das historische Gemäuer brachten, den Confetti Läden. Was wie Blumen gewirkt hatte entpuppte sich als Zuckerwerk, kunstvoll verarbeitet. Die glänzend bunten Zuckerdragees, die eine Mandel in sich bergen, werden zu farbenfrohen Blumen arrangiert und dienen als Gastgeschenk oder Deko bei Festlichkeiten.

Als es Zeit zum Essen wurde, fuhren wir in ein kleines Bergdorf zur Nonna. Über eine enge, gepflasterte Straße gelangten wir zu einer Häuserzeile mit ganz schmalen uralten Steinhäusern. Das Haus der Nonna glich mehr einem Turm als einem Haus. Links und rechts klebte es an den anderen Häuschen, die etwas niedriger waren; Nonnas 3-stöckiger ‘Torre‘ überragte sie alle und seine Dachterrasse bot einen herrlichen Ausblick über die gebirgige Landschaft ringsum mit den sich an die Hänge schmiegenden Dörfern. Jedes Stockwerk dieses Hauses bestand aus nur einem Raum.

Als uns diese kleine, zarte Frau überschwänglich ins Haus bat, tauchten wir sogleich in ihr Reich ein, eine enge Küche berstend voll mit Kochutensilien und vorbereiteten Speisen für das folgende Festmahl. Die Nonna war in ihrem Element, zwischen den dampfenden großen Töpfen am Herd und den riesigen Nudelbrettern mit den zuvor in liebevoller Handarbeit zubereiteten Köstlichkeiten.

Wir saßen an einem langen Tisch und die Nonna trug Gericht um Gericht auf, eines besser als das andere; wir genossen italienische Kochkunst und Gastfreundschaft und schwelgten dabei im 7. Himmel. Guter Vino und herrlich schmeckendes frisches, kaltes Gebirgswasser taten das Übrige.

Nie zuvor oder danach habe ich eine solche Pasta bekommen, in einem so einmaligen Ambiente, bei solch herzlicher Gastfreundschaft. Da war alles, das Süße, das Kühle, das Heiße, das Schöne, das Frische, das zart Schmelzende, das Knackige, das Pikante … ein Ort, wo offenbar Liebes- und wahre Kochkunst zu Hause sind, ein Ort, der auch Ovid inspiriert hätte.

© Doro