Der Hurricane von New Orleans

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Hurricanes haben New Orleans schon viele heimgesucht. Der schlimmste war bislang Katrina, der die Stadt verwüstete, ließ er doch auch noch die Deiche des nahen Sees brechen, sodass sich die Wassermassen 2005 über die Stadt ergießen konnten. Es gibt aber auch noch einen ganz speziellen Hurricane, eine Spezialität der Stadt, der in seiner Wirkung ähnlich zerstörerische Kräfte entwickeln kann. Mit diesem Wirbelsturm habe ich vor vielen Jahren Bekanntschaft gemacht.

Auf einer auf Stelzen durch die flache Sumpflandschaft führenden Autobahn erreichten wir abends den Campingplatz. Beim Aussteigen schlug uns eine unerträgliche Hitze entgegen. Vielleicht sollten wir besser ins Hotel gehen? Nicht nötig, die Nächte sind wohl kühler, entschieden wir.

Rasch galt es das kleine Zelt aufzustellen. Schon nach den ersten Handgriffen waren wir schweißgebadet und die Heringe wollten einfach nicht in den steinharten Boden. Irgendwie stand es schließlich wackelig da; jetzt noch schnell duschen und endlich schlafen.

Blutsaugende Quälgeister aber hatten sich mit ins Zelt geschwindelt. An ein Einschlafen war bei der Hitze und dem Jucken nicht zu denken. Wir gingen nochmals duschen. Die vielen Stiche zeigten sich im Licht als schockierend große Beulen; schlafen ging immer noch nicht.

Völlig fertig starteten wir in unseren 1. Tag in der Stadt des Jazz, der Mississippi Dampfer, des Mardi Gras, der kreolischen Küche ... Zu schlaff für Besichtigungen hingen wir mit kalten Getränken im Pool herum bis wir uns für eine Stadtrundfahrt im klimatisierten Bus am Nachmittag entschieden.

Da sammelten wir erste Eindrücke von dieser imposanten Südstaatenmetropole, mit den schönen Gebäuden im spanischen und französischen Kolonialstil und außergewöhnlichen Friedhöfen, denn die Grabstätten sind allesamt, wegen der tiefen Lage im Sumpf oberirdische kleine Mausoleen. Begeistert erzählte unser Guide immer wieder von dem für New Orleans typischen Hurricane und meinte damit nicht den Wirbelsturm.

Der Reiseleiter war begeistert von einem für New Orleans speziellen Cocktail, von dem er mit seinen Freunden gern ein paar Gläschen nach der Arbeit trinkt. Als wir beim abendlichen Stadtbummel an der bekannten Bar vorbeikamen, mussten wir diesen berühmten, orangen Cocktail, serviert in einem hübschen Glas natürlich probieren.

Erwartungsvoll zog ich am Strohhalm; doch das war keiner von den üblichen Drinks, der hatte es in sich, neben viel Eis auch unwahrscheinlich viel Rum; ich konnte das unmöglich trinken. Wegen der großen Hitze waren die Eiswürfel aber rasch geschmolzen und ich verleibte mir ein wenig von dem verdünnten Teil ein, bevor wir das Lokal verließen. Doch der Hurricane hatte seine fatale Wirkung bereits freigesetzt. Ich war völlig k.o., zu absolut nichts mehr fähig. Ich lehnte nur noch kurz enttäuscht am Eingang zum Club der Preservation Hall Jazz Band, von der Gewalt des Cocktails zerschmettert wie unsere Pläne für den Abend.

© Doro