Eine Begegnung der besonderen Art

Das Wetter ist wie immer strahlend schön, der Himmel blau, die Sonne heiß und das Wasser nur leicht bewegt, sodass die Wellen sanft gegen den Strand klatschen. Im Wasser ist außer mir niemand.

Ich liebe das Wasser und ganz besonders das Meer, in das ich gern ausgiebig eintauche. Seit ich in jungen Jahren einmal bei meiner Flucht aus dem Ozean aber im seichten Wasser fast ertrunken wäre, schwimme ich jetzt nur noch im sicheren und nicht zu fernen Abstand zum Strand. Das ist zwar manchmal nicht so angenehm, wenn die Wellen parallel daherkommen, dafür aber sicher. Nie mehr schwimme ich weit raus.

Ich schwimme also an diesem wunderschönen Tag, der für mich zu einem ganz besonderen werden sollte, wie gewöhnlich so in 20m Entfernung zum Strand. Da fällt mir auf, dass die Leute von ihren Liegen aufspringen und aufgeregt alle in meine Richtung schauen. Sofort überkommt mich das Panikgefühl von einst, als ich an der amerikanischen Ostküste weit raus geschwommen war und bemerkte, dass die rote Fahne aufzogen wurde, sich die Leute am Strand sammelten und gefesselt aufs Meer blickten. Haialarm schoss es mir damals durch den Kopf und so schnell ich konnte, schwamm ich Richtung Strand. In meiner Panik achtete ich aber beim Verlassen des Wassers nicht auf den richtigen Moment, um aus der starken Brandung raus zu kommen und eh ich mich‘s versah, hatte mich schon eine sich brechende Welle erfasst und unters Wasser geschleudert. Unsanft schlug ich am Meeresboden auf und versuchte nach Luft schnappend wieder hochzukommen, aber da kam schon die nächste. Es dauerte ewig bis ich mich aufrappeln und vom Sand völlig zerschunden aus dem Wasser flüchten konnte. Von den zahlreichen Gaffern hatte mir keiner geholfen.

Wie sich herausstellte war jedoch kein Hai gesichtet worden, sondern in großer Anzahl herannahende Horseshoe Crabs, mit Spinnen und Skorpionen verwandte Tiere von der Größe eines Desserttellers, die eine dicke Panzerplatte und einen Stachelschwanz haben.

Als nun wieder alle Menschen aufgeregt in meine Richtung schauen, war sie wieder da, diese panische Angst von damals, aber bei meinem suchenden Blick aufs Meer konnte ich anfangs nichts Ungewöhnliches entdecken; erst als ich hinter mich schaute, tauchten sie auf, 3 Delphine, die sich mir von hinten genähert hatten und nun in nicht einmal 10m Entfernung an mir vorbei schwammen, immer wieder abtauchend und Luft holend und dabei leicht über der Wasseroberfläche gleitend. Augenblicklich war die Angst weg und es erfüllten mich unglaubliche Glücksgefühle. Es war wie in einem Traum; ich war völlig überwältigt von diesem Delphinschwimmen der ganz besonderen Art.

Einige Jahre danach begegnete ich ihnen nochmals beim Schwimmen, doch da waren sie nicht ganz so nah. Schön war‘s dennoch. Gesehen habe ich die Delphine schon öfter, wenn die Meeresoberfläche so glatt ist, dass man alles gut ausmachen kann, immer in einer 3-er Formation schwimmend, vielleicht sind es ja sogar meine 3.

© Doro