Frau am Steuer

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Vorurteile gibt es viele. Sie halten sich hartnäckig, besonders wenn Frauen in ‘Männerdomänen‘ vordringen. Mein Vater hatte es zu verhindern gewusst, dass meine Mutter Auto fuhr, doch uns Kinder ermutigte er zum Führerschein. Es musste damals schnell gehen, denn zwischen Matura und meiner Abreise in die USA blieb nicht viel Zeit. Ich meldete mich für einen 14-Tagekurs an, fest entschlossen im Anschluss mein Ticket in die Mobilität und Freiheit zu erhalten.

Doch da waren sie schon wieder, diese leidigen Vorurteile. Gleich nachdem ich die erste Einschulung im Auto erhalten und die Hürde mit dem Anfahren erfolgreich gemeistert hatte, war ich dazu verdonnert in einem Auto voll Männern meine erste Fahrt zu absolvieren. Neben mir der Fahrlehrer und im Nacken 3 Jungs mit viel Schwarzfahrroutine, die nur darauf warteten wieder einen dieser blöden Kommentare abzugeben.

Ich absolvierte meine vorgeschriebenen Stunden mit lästernden Mitfahrschülern und einem über-peniblen Fahrlehrer, mit dem Spitznamen Staberl, weil er beim Einparken, ‘was Frauen überhaupt nicht können‘, mit einem Staberl überprüfte, ob wir parallel standen. Die Fahrprüfung lief gut und wieder wurde eine Frau auf die Menschheit losgelassen.

Mein Vater, ein überaus sportlicher Autofahrer, legte großen Wert darauf, dass seine Töchter nicht im Sinne von „Frau am Steuer“ unterwegs waren. Das bekam ich qualvoll bei unserem Abschieds-Urlaub zu spüren. Mit meinem frisch erworbenen Rosa Schein sollte hauptsächlich ich fahren, ein Albtraum in diesem schweren Volvo mit Papa, Mama und Schwester.

Die größte Herausforderung war die Silvretta, die ich ‘ralleymäßig‘ bewältigen sollte. Ich glaube, das Kommando vom Papa lautete vor der Kehre „schau rauf, schalt runter, zieh ihn in die Kurve und beschleunige, schalten ...“ während die anderen immer nur dazwischen riefen „du bist zu weit links, du bist zu schnell, du bist ....“

Kurz darauf war ich in den USA und durfte anfänglich das Auto meines Arbeitgebers benützen. Ich sammelte nun Fahrpraxis im fremden Land und unter völlig anderen Bedingungen, aber recht sportlich. Etwas heikel wurde es im Winter, als der frische Schnee kaum beseitigt wurde und durch die arktische Kälte alles gefror. Ich überstand auch diese Eiszeit, lernte weitere fahrtechnische Feinheiten und konnte vor meiner Rückkehr die ersehnte Reise durch den Kontinent machen, von O nach W und zurück.

Dabei hätte mir meine ‘sportliche Fahrweise‘ beinahe gröberes Ungemach gebracht. Ich wurde mit weit überhöhter Geschwindigkeit gestoppt. Der Polizist bedachte mich aber nur mit einem Ticket, ob aus Verwirrung wegen des internationalen Führerscheins oder aus Erbarmen mit dem jungen Ding, das so verdattert und gleichzeitig high war, weil es die Grenze nach California passiert hatte, ich weiß es nicht.

Nach tausenden Meilen durch Großstädte und Wüsten, über Berge und entlang enger Küstenstraßen konnte Papa sein Vorurteil endlich gehen lassen.

© Doro