Gibt es Engel?

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Ich meine jetzt nicht diese himmlischen Wesen ohne physischen Körper, die gerne mit Flügeln dargestellt, in Hierarchien kategorisiert und als Boten Gottes bezeichnet werden, die Menschen angeblich beschützen, unterstützten und heilen, sondern solche in Menschengestalt. Menschliche Engel, Lichtwesen, die wie ihre himmlischen Verwandten unaufgefordert, selbstlos und allzeit hilfsbereit immer wieder in unser aller Leben auftauchen, Menschen, die zu unserem Schutzengel werden oder uns in schwierigen Situationen zur Seite stehen.

Von einem dieser Engel will ich euch berichten, um ihm mit meiner Story nochmals danke zu sagen.

Damals, als wir noch tief in der analogen Steinzeit lebten, war es schwierig fremdsprachige Fachliteratur in unseren Bibliotheken zu finden. So passte es für mich gut, wieder in die USA zu reisen, um mir alles zu beschaffen. Voll der Begeisterung flog ich nach Washington, wo ich schon einmal ein tolles Jahr verbracht hatte. Eine Freundin, die nach Florida übersiedelt war, hatte mir ein Quartier in einer WG vermittelt.

Oh nein! Wo war ich gelandet? Was war das für ein Haus! Das Gegenteil von dem, was ich mir gewünscht hatte. Es lag weit draußen in Suburbia, mit den Öffis kaum erreichbar und dann diese WG! Ein bunter Haufen sehr spezieller Bewohner mit noch spezielleren Haustieren, wie Ratten und Mäusen, die ihre Freiheit genießend im Haus frei herumliefen. Niemand kümmerte sich um etwas, alles war verdreckt und es stank wie in einem Stall. Da saß ich nun fest und sollte die nächsten Wochen verbringen.

In meiner Not begann ich Studentenheime und günstige Herbergen abzuklappern, doch mit null Erfolg. In meiner Ausweglosigkeit wandte ich mich zuletzt an die Österreichische Botschaft und da war er, mein Engel. Ich wurde zu H. vorgelassen, einem jungen Steirer, der seinen ersten Auslandseinsatz im diplomatischen Dienst versah. Er hörte sich alles an und versprach sich für mich schlau zu machen.

Kaum war ich wieder in meiner ungeliebten Herberge angekommen, meldete sich H. auch schon und bot mir seine Wohnung an, sofern „sie mir zusage“, denn er würde in Kürze für etliche Wochen auf Heimaturlaub gehen. Am Abend holte er mich mit seinem österreichischen Freund ab, der im selben Haus wohnte, wir besichtigten die Wohnung und schon tags darauf übersiedelte ich in eine optimal gelegene, geräumige Wohnung eines Hochhauses mit Pool am Dach.

Ich hatte nun nicht nur eine tolle Unterkunft, sondern lernte auch 2 wunderbare Menschen aus der Heimat kennen, mit denen mich bald eine besondere Freundschaft verband. Mit H. stehe ich immer noch in Kontakt, wir whatsappen regelmäßig. G. ist leider kurz nach seiner endgültigen Rückkehr nach Wien verstorben.

Immer wieder habe ich erfahren dürfen, dass es in Situationen der Bedrängnis und Hilflosigkeit Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort gab, die für mich zu rettenden Engeln wurden und mir aus der Patsche halfen in solch kleineren, aber auch in größten Nöten.

© Doro