Kindheit anno dazumal

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Ich weiß nicht, ob es damals schöner oder besser war. Es war anders. Wir waren nicht ständig unter den Flügeln der Glucke, viel auf uns selbst gestellt, aber auch mit mehr Strenge konfrontiert.

Wir hatten alles, was wir zum Leben brauchten, sogar schon ein kleines Auto, aber Luxus kannten wir nicht; der kam erst später, als sich langsam immer mehr Wohlstand bei den meisten einzustellen begann. Auf alles, was wir besaßen, passten wir gut auf; ging etwas kaputt, reparierte es der Papa nach Möglichkeit und wenn wir etwas nicht mehr brauchten, gaben wir es weiter. Ich weiß noch, dass es immer schlimm war, wenn ich nicht gut aufgepasst hatte und etwas zu Bruch ging, das ging nie ohne gröberen Ärger ab.

Während die Mädchen von heute schon von klein auf nach dem letzten Schrei gestylt werden, wurden meine Röcke oft noch aus den alten Kleidern der Mama genäht und dazu musste ich ungeliebte, selbstgestrickte Pullis tragen, die dann an meine Schwester weitergegeben wurden; doch das war normal, die anderen waren auch nicht anders angezogen.

Ich bin in Lehen aufgewachsen; heute ist das ein Stadtteil Salzburgs mit üblem Ruf, doch damals war das ein ‘moderner‘ mit vielen neuen Gemeindebauten, vielen Kindern und somit vielen Spielkameraden.

Wir Kinder waren ständig zusammen. Gleich nach dem Mittagessen und dem Erledigen der Hausaufgaben ging es schon runter in den Hof zu den anderen. Je nachdem, was wir spielen wollten, fanden sich die passenden Kinder zusammen; wir stritten und rangelten und bestimmten unsere Leithammel, die dann festlegten, wer beim Völkerball, beim Quiz oder beim Räuber und Gendarm mitspielen darf. So lernten wir ganz automatisch uns in Teams zu integrieren und in der Gruppe zu behaupten.

Im Hof, unserem liebsten Spielplatz, war immer etwas los. Bewegungsmangel kannten wir keinen. Es gab auch noch viel ‘Gsättn‘, die für uns ein wahres Paradies darstellte und uns auf viele gute und weniger gute Ideen kommen ließ. Besonders angetan hatte es uns auch der nahegelegene Bahndamm, denn viele der Bahnfahrer hatten die Angewohnheit kurz vor dem Einfahren in den Bahnhof ihre Bierflaschen aus den Fenstern zu werfen; die sammelten wir ein und machten sie zu Geld, um uns Fizzers, Colalutscher, Gummischlangen, Stollwerk etc. zu kaufen, die wir uns dann gemeinsam schmecken ließen. Denn so etwas Gutes gab es zu Hause nie.

Immer wieder passierten uns beim Tollen Missgeschicke, sodass wir uns völlig verdreckten, so schlimm, dass wir so nicht heimkommen konnten. Aber für diese Notfälle gab es den Eizenbergerhof, das heutige Literaturhaus, wo es noch Wasser am Gang gab. So ersparten wir uns Mamas Gezeter. Wirklich brutal war damals das Jod, das auf die aufgeschlagenen Knie kam, was höllisch bannte.

Es war schön Kind zu sein; wir spielten viel, waren dabei frei und erfinderisch, ohne ständige Bevormundung und Überwachung, immer integriert in einer Gruppe von ganz unterschiedlichen Kindern, aber immer Teil einer Gemeinschaft.

© Doro