Mit Hindernissen ins Paradies

Mitunter muss ein ‘Paradies‘ mühsam entdeckt und erobert werden, bis man es erkennt und liebt. Meine Schwester hatte eine Wohnung am Meer erworben, für mich im falschen Land und dann noch diese mühsame Anreise.

Das Apartment blieb jahrelang ungenutzt bis ich mit meinen Töchtern und ihrer Freundin erstmals für 14 Tage anreise. In Izmir betreten wir türkischen Boden. Ein Fahrer mit Deutschkenntnissen holt uns ab; in einem für 5 Personen und 4 großen Koffern viel zu kleinen Auto, bei großer Hitze, ohne Klimaanlage, Kopfstützen und Gurte, dafür mit übler Beduftung und gruseliger Fahrweise erreichen wir nach 4 Stunden, kurz vor Mitternacht völlig erschöpft das Apartmenthaus am Meer.

Im Stiegenhaus kein Licht; in totaler Finsternis schleppen wir die Koffer die Wendeltreppe rauf. Nun sperrt der Schlüssel nicht. Ach, wir haben uns in der Tür geirrt. Die nächste geht auf. Es schlägt uns größte Hitze entgegen, aber es gibt Strom. Kaum drinnen, fallen die Moskitos über uns her. Während wir noch mit der Abwehr beschäftigt sind, schallt ein Schreckensschrei durch die Räume. Am Boden wird eine Riesen Kakerlake gesichtet.

Von denen gab‘s noch mehr und so startet die Jagd, bewaffnet mit Schlapfen. Eine reißt die Fenster auf, aber die meisten der Jalousien lassen sich nicht hochziehen. Die erhoffte Abkühlung bleibt aus. Die Gelsen kommen auch aus den Luftschächten. C. und ich kleben sie zu, während S. und J. Kakerlaken jagen und sämtliche Ausgüsse verschießen, aus denen die Invasion erfolgt.

Wir wollen nur noch ins Bett fallen, aber es zeigt sich, dass wir nicht einmal Polster haben. Im Laufe der Jahre dürften sich welche am Inventar bedient haben. Kurz vor dem Umfallen, schlagen wir noch Nägel in die Decke, um unsere Netze aufzuhängen und dämmern weg.

Es sind Handwerker zu organisieren, die Rollläden, Toilettenspülungen, Armaturen etc. richten. Aber die noch größere Herausforderung ist das einkaufen Fahren, um all das fehlende Zeug zu besorgen, in einem Land wo wir quasi als Analphabeten unterwegs sind. Mit Einkaufen, Reparaturen, Behördenwegen verfliegen die Tage und vom wunderschönen Meer und vom Strand bekomme ich nicht viel mit.

Im Folgejahr sollte alles anders sein, hatte ich doch alle Reparaturen veranlasst und alles besorgt, was wir brauchten. Es begleitet mich meine jüngere Tochter. Wir sind darauf eingestimmt, zwei wunderbare Wochen am Meer zu verbringen. Doch Schock in Izmir; mein Koffer war nicht mitgekommen. Am nächsten Tag wird meine Tochter ernsthaft krank und ich kann sie nicht allein lassen. Ein Nachbar telefoniert immer wieder mit dem Airport und wird wieder und wieder vertröstet. Nach einer Woche kann ich meine Sachen endlich abholen, einer Woche am Meer in einer heißen Wohnung mit krankem Kind, immer mit Blick aufs kühle Nass, das jedoch unerreichbar ist.

Es dauerte, bis ich diesen Ort als schön erkannt habe, mir eroberte und ihn schließlich zu lieben begann, sodass er zu meinem kleinen Paradies werden konnte.

© Doro