Mit vereinten Kräften

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gelang es uns einst schon in der Sandkiste die schönsten und imposantesten Burgen zu bauen. Da saßen wir zusammen auf vielleicht 3x3 m, jüngere und schon etwas ältere Kinder, Mädchen und Buben, alle mit dem Ziel gemeinsam etwas Großes zu schaffen. Die einen hatten die tollsten Ideen, die anderen Fleiß und geschickte Hände, ein anderer Zugang zu Wasser, das wir für die Stabilität des Sandes brauchten, und im gemeinsamen Tun entwickelten wir noch mehr Ideen, wie sie noch großartiger werden könnte und brachten all unsere Begeisterung und Energie in das Projekt Burg ein.

Wir stehen dieser Tage wieder vor einer Regierungsbildung, die die Geschicke für das Land, also für jeden von uns für die nächsten Jahre bestimmen und konstruktive oder destruktive Grundsteine für die Zukunft danach legen wird. Ununterbrochen hören wir, wie schwierig und schier unmöglich es sein soll, dass 2 sehr unterschiedliche Parteien dies zuwege bringen können.

Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass wir immer dann etwas erreicht haben, das für den einzelnen zu groß und zu schwierig war, wenn wir unsere Potenziale, unsere einzigartigen Talente, unser Können und Wissen zusammentaten für das gemeinsame Ziel.

Die Geschichten und Märchen aus den Kindertagen haben uns schon aufgezeigt, dass gerade das Verschiedene mehr zuwege bringt als das Gleiche. Meine Schwester und ich waren extrem unterschiedlich. Wenn wir aber bei unseren Eltern etwas erreichen wollten, das für uns beide erstrebenswert war und unsere unterschiedlichen Zugänge bündelten, kamen wir zumeist ans Ziel.

Es heißt, dass 2 ‘Welten‘ aufeinander prallen. Wenn Links und Rechts jedoch ein gemeinsames großes Ziel finden, wird dieses zur verbindenden Mitte, wo sich der Fokus auf das Wohlergehen möglichst vieler verschiebt. Ihre unterschiedlichen schlauen Köpfe, mit ihrem Wissen, Können, ihren Möglichkeiten, Ideen und Ansichten sind zusammen imstande eine gemeinsame große Vision Realität werden zu lassen.

Während unsere Eltern und Großeltern nach den Verwüstungen des Krieges aus den Trümmern neue, lebenswerte Existenzen aufbauten, damit es ihren Kindern einmal besser ginge, sind wir nun gefordert, die Veränderungen einzuleiten, dass das, was mühsam geschaffen wurde, was das Leben lebenswerter, freundlicher und sicherer macht und den Planeten so einzigartig, für unsere Kinder und Kindeskinder zu bewahren. Da ist kein Platz für Egoismen, Lagerdenken und Kurzsichtigkeiten. Weitsicht, Herz, Mut, Wissen und die Mobilisierung und das Engagement möglichst aller ist gefragt.

Es ist an der Zeit, dass nun auch die Mauern in unseren Köpfen fallen, diese Beschränkungen in ein Entweder-Oder-Denken. Wir sind gefordert groß zu denken, uns selbst als Teil des großen Ganzen verstehend. Wollen wir ein großes Ziel, eine Vision verwirklichen, im Kleinen und im Großen, eine große, schöne Burg, so gilt es das Verbindende über das Trennende zu stellen und Egoismen aufzugeben.

© Doro