Mutterglück

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Wieder einmal gilt es innezuhalten, Bilanz zu ziehen, zurückzuschauen auf mein Leben, die Highlights und die Desaster, auf das, wie ich alles überstanden und gemeistert habe und überfällige Korrekturen, nicht Bewältigtes und Ungelebtes anzugehen. Bei dieser Rückschau fallen mir nicht nur kleine Storys ein, es kristallisiert sich auch ganz klar heraus, was wirklich wichtig war und ist.

Ich weiß jetzt sicher, dass meine einstige Entscheidung - eine wahre Herzens-Entscheidung - für eine Familie und Kinder, für mich die wichtigste, richtigste und beglückendste war. Doch lange haderte ich zuvor wegen meines Verzichts mich beruflich zu profilieren und damit nicht mein volles Potenzial gelebt zu haben. Damals ließ sich beides für mich nicht verbinden und später, als die Kinder schon größer waren, beanspruchten unzählige familiäre Katastrophen meine Energie und Zeit.

Mit meinen beiden Mädels ist für mich ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen. Ich liebte sie schon lange bevor ich sie tatsächlich im Arm halten konnte und setzte mit ihrer Geburt alles daran, ihnen optimale Voraussetzungen für einen guten Start ins Leben zu ermöglichen und sie bestens beim Großwerden zu unterstützen.

Dass ich dabei oft übers Ziel hinausgeschossen bin, mit meinem Bestreben alles perfekt zu machen, hing wohl auch damit zusammen, dass ich von außen kaum die Wertschätzung erhielt, die ich mir für meinen unermüdlichen Einsatz erhoffte, als ich im Versuch alle glücklich zu machen, ihre Erwartungen und Bedürfnisse zu erfüllen, zur Getriebenen wurde, die sich für alles verantwortlich fühlte.

Neben der fehlenden Wertschätzung der Familie war da auch noch die der Gesellschaft und am schmerzlichsten der mir so verhasste Spruch „dir geht‘s gut, du musst nicht arbeiten“, den ich immer wieder von meinen Geschlechtsgenossinnen zu hören bekam, Frauen, die zumeist halbtags arbeiteten, zur Mama zum Mittagessen fuhren, danach mit Kind und gemachter Wäsche nach Hause, um noch relaxt spazieren zu gehen oder ihre ebenfalls entspannten und gestylten Freundinnen im Café oder am Spielplatz zu treffen.

Weil ich nicht ‘arbeitete‘, war ich natürlich auch für die Familie die, die wie selbstverständlich einzuspringen hatte, wenn der Hut brannte und die, die schließlich auch für die Pflege zuständig war.

Ich hatte all das zugelassen und mich oft verrannt, aber ich weiß ganz sicher, dass ich etwas definitiv nicht falsch gemacht habe, nämlich Mutter zu werden und für meine Kinder alles einzubringen, was in mir steckt an Liebe, Kraft, Wissen, Können … Ich weiß jetzt ganz genau, dass das die beste Entscheidung meines Lebens war und ich bin unendlich dankbar und glücklich diese 2 wunderbaren Menschen in meinem Leben zu haben.

In meiner Rückschau erkenne ich ganz deutlich, dass meine Kinder, ja das Glück Mutter werden zu dürfen, das schönste Geschenk des Lebens an mich war und vielleicht wird mir auch noch das Privileg zuteil, dass ich irgendwann Oma werden darf.

© Doro