Schicksal

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Heftig wehrt sich alles in mir mich als Opfer, als Spielzeug oder Marionette irgendeines oder mehrerer ‘höherer‘ Mächte zu begreifen.

Als mit Herz und Hirn ausgestattetes, relativ freies Wesen fühle ich mich verantwortlich für mein Denken, Fühlen und Tun. Zu einem großen Teil liegt es an mir wie es mir ergeht. Ich kann aktiv in mein ‘Schicksal‘ eingreifen, es gestalten. Es ist nicht unausweichlich.

Die Schicksalsfrage hat die Menschen schon immer beschäftigt; unterschiedliche Zugänge wurden gefunden. Da gab es den Glauben an das Ausgeliefertsein an höhere Mächte oder ein übermächtiges göttliches Wesen, Schicksalsgottheiten, die man gnädig zu stimmen versuchte, Philosophen, die ein Zusammenwirken zwischen der Willensfreiheit des Menschen und der karmischen Ordnung sahen, bis hin zu jenen, die den Menschen selbst als Herrn seines Schicksals ausmachten.

Mir lässt das Thema keine Ruhe, seit ich stark fatalistisch lebenden Menschen begegnet bin, die ihr Dasein übermäßig Gott und den Engeln anvertrauen. Sie verstehen sich nicht als selbstbestimmte Wesen, sondern abhängig und ausgeliefert mit der Folge, dass sie wenig Interesse haben sich zu entwickeln oder zu verändern. Die Verantwortung liegt bei jemanden anderen.

Wünsche werden in der Kirche an den lieben Gott gerichtet oder ans Universum geschickt. Selbst bleiben sie passiv, fühlen sich außerstande ihre Herausforderungen zu meistern, weigern sich dazulernen und ihrem Leben selbst die gewünschte Richtung zu geben.

Für mich ist das schicksalshaft, was ich als Mensch ins Leben mitbringe an körperlichen, geistigen und psychischen Voraussetzungen, meine Talente und Fähigkeiten, mein Geschlecht und die Familie in welche ich wo und wann in der Welt hineingeboren bin, weil mich das alles prägt und zu einem gewissen Maß einschränkt; doch da ist auch mein freier Wille, ich bin lern- und entwicklungsfähig. Ich kann denken, fühlen und handeln, bewusster werden, alles hinterfragen und verändern. Als freies Schöpferwesen bin ich fähig, jeden Tag mein ‘Schicksal‘ sprich Leben neu zu gestalten, wobei ich auch Kurskorrekturen vornehmen kann, die meinem Wissens- und Entwicklungsstand entsprechen; ich bin imstande zu wachsen und meinem Leben einen Sinn zu geben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es das ‘Schicksal‘ gut mit mir meint, wenn ich bewusst das lebe, was mir entspricht. Schmerzliche Schüsse vor den Bug sind immer dann gekommen, wenn ich weit von dem mir entsprechenden Weg abgekommen bin.

Diese Idee von determiniert und gleichzeitig frei, scheint sich mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu decken, die Johannes Huber in Anatomie des Schicksals beschreibt; unsere Gesundheit, unser Denken und Handeln sind durch unsere Vorfahren und Umweltbedingungen schicksalshaft geprägt, doch können wir unser Schicksal positiv beeinflussen, wenn wir Verantwortung übernehmen für uns selbst, für die Natur, für zukünftige Generationen …

© Doro