Schöne Bescherung

Meine Freundin hatte mich zu einem Abo überredet. Nicht, dass ich nicht gern ins Theater gehe, aber es läuft meinem starken Bedürfnis, möglichst frei, unabhängig und spontan sein zu können entgegen, muss ich mich da doch schon weit im Voraus festlegen was ich wann, wo, mit wem sehen will. Ich ließ mich breitschlagen und stimmte halbherzig zu.

Es sind nur noch einige Tage bis zum Weihnachtsfest und der vorweihnachtliche Wahnsinn draußen wird schier unerträglich; auch auf den Straßen herrscht Chaos und der Verkehr kollabiert täglich. Es gilt daher immer einen großen Zeitpolster einzuplanen, wenn man etwas vorhat. Unsere 2. Abovorstellung steht an. Unter den jetzigen Bedingungen passt mir das gar nicht. Ich breche zeitig auf. Anfangs komme ich noch ganz gut voran, aber bald gerät der Verkehr ins Stocken und es geht nur noch im Ultraschneckentempo weiter. Von überall her kommen die Autos und drängen in die Schlange, so als hätten wir alle dasselbe Ziel. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte des Weges geschafft als schon ¾ meines Zeitkontingents um sind. Es wird unmöglich noch rechtzeitig zur Einführung des Stücks da zu sein. Der Grad meiner inneren Gereiztheit steigt ständig, bin ich doch auf Pünktlichkeit und Verlässlichkeit konditioniert. Meine Freundin kann ich nicht erreichen.

Endlich bin ich im Nonntal. Der Verkehr kommt nun vollends zum Stillstand. Es gelingt mir aus der Kolonne in eine Nebenstraße auszubrechen, inständig hoffend irgendwo eine Parklücke zu entdecken. Ein Geschenk des Himmels denke ich, als ich ein Auto beim Ausparken erblicke, das für mich den scheinbar perfekten Parkplatz freimacht. Ich bin erleichtert und dankbar. Da es nun schon so spät geworden ist, entfällt der Weg zum Parkscheinautomaten und ich kann gleich losrennen.

Ich wohnte einer netten Komödie bei bev0r ich mich mitten in der eiskalten Nacht zum Auto aufmache. Doch wo ist es? Da hatte ich es doch abgestellt? Bin ich schon an ihm vorbeigegangen? Ich laufe irritiert wieder die Straße zurück, aber von meinem Wagen ist weit und breit nichts zu sehen. Da wo ich ihn vermeintlich geparkt habe, bemerke ich nun, dass sich hinter dem Gehsteig im Zaun ein unauffälliges Gartentor befindet. In meinem Stress und der Dunkelheit hatte ich das nicht registriert. Jetzt wird es klar; mein Auto wurde abgeschleppt. Oh Gott, ich weiß ja gar nicht, wie man da nun vorgehen muss. Ich stehe allein in der Kälte, niemand ist mehr unterwegs. Verunsichert und halberfrierend versuche ich mir die nötigen Infos zu verschaffen.

Dank Handy, Internet und der Hilfe meiner Tochter kann ich das Auto für eine Wucherabschleppgebühr in Hallwang abholen. Die hinterlassene Benachrichtigung der Polizei informiert noch, dass ich eine Anzeige zu erwarten habe. Damit wächst sich mein ungeliebter Theaterbesuch neben dem Fiasko auch kostenmäßig zu einem schönen Kurzurlkaub aus. Eine wahrlich schöne vorweihnachtliche Bescherung! Nie wieder ein Jein – die Lektion ist gesessen.

© Doro