Schöne Bescherung

Gestern Nacht ist mir etwas höchst Unangenehmes passiert. Es lässt mich noch immer aufgeregt und verärgert sein.

Ich hatte mich von einer Freundin zu einem Abo überreden lassen. Nicht dass ich nicht gern ins Theater gehe, aber der Gedanke, dass ich vergnügliche Abende bis zu einem halben Jahr im Voraus festlegen muss, wie für einen Zahnarzttermin, gefällt mir gar nicht. Für einen gelungenen Theaterabend ist es doch wichtig, dass das Drumherum und die Stimmung passen und es kein Pflichttermin ist.

Es sind nur noch einige Tage bis zum Weihnachtsfest und der vorweihnachtliche Wahnsinn draußen wird schier unerträglich; auch auf den Straßen herrscht Chaos und der Verkehr kollabiert täglich und in dieses Verkehrsinferno soll ich mich nun stürzen, ohne dass ich die geringste Lust dazu habe, weil der Theaterabend eine übermäßige Verlockung für mich darstellt. Nein, es passt mir heute gar nicht.

Ich breche zeitig auf. Anfangs komme ich noch ganz gut voran, aber bald geht es nur noch im Ultraschneckentempo weiter. Von überall her kommen die Autos und drängen in die Schlange, so als hätten wir alle dasselbe Ziel. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte des Weges geschafft als schon ¾ meines Zeitkontingents um sind. Es wird unmöglich noch rechtzeitig zur Einführung des Stücks da zu sein. Ich spüre wie ich ständig gereizter werde, bin ich doch auf Pünktlichkeit und Verlässlichkeit konditioniert. Meine Freundin kann ich nicht erreichen.

Endlich bin ich im Nonntal. Der Verkehr kommt nun vollends zum Stillstand. Es gelingt mir aus der Kolonne in eine Nebenstraße auszubrechen, inständig hoffend irgendwo eine Parklücke zu entdecken. Ein Geschenk des Himmels denke ich, als ich ein Auto beim Ausparken erblicke, das für mich den scheinbar perfekten Parkplatz freimacht. Ich bin erleichtert und dankbar. Es ist nun schon so spät geworden dass der Weg zum Parkscheinautomaten entfällt und ich gleich losrennen kann.

Der Abend war eine nette Entschädigung für die aufwändige Anfahrt. Beschwingt machte ich mich mitten in der eiskalten Nacht zum Auto auf.

Doch wo ist es? Da hatte ich es doch abgestellt? Bin ich schon an ihm vorbeigegangen? Ich laufe irritiert wieder die Straße zurück, aber von meinem Wagen ist weit und breit nichts zu sehen. Da wo ich ihn vermeintlich geparkt habe, bemerke ich nun, dass sich hinter dem Gehsteig im Zaun ein unauffälliges Gartentor befindet. In meinem Stress und der Dunkelheit hatte ich das nicht registriert. Jetzt wird es klar; mein Auto wurde abgeschleppt. Oh Gott, ich weiß ja gar nicht, wie man da nun vorgehen muss. Ich stehe allein in der Kälte, niemand ist mehr unterwegs. Verunsichert und halberfrierend im Theateroutfit versuche ich mir die nötigen Infos zu verschaffen.

Ich warte konsterniert auf meine Tochter, die mich nach Hallwang bringt, wo ich das total vereiste Auto gegen eine Wucherabschleppgebühr abholen darf. Eine Anzeige wartet auch noch auf mich. Was für eine schöne vorweihnachtliche Bescherung.

© Doro