Seelenverwandt?

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Immer wieder bin ich auf den Begriff der Seelenverwandtschaft gestoßen in der Literatur, der Mythologie, in spirituell/esoterischen Büchern und war fasziniert von dieser tiefen Verbundenheit zwischen 2 Menschen, die über verschiedene Inkarnationen hinweg bestehen bleiben soll, aber auch skeptisch, ob das denn wirklich möglich sei, oder eben nur zu unseren Mythen zählt.

Umso überraschter war ich, als ich vor zwei Jahren meiner ‘Seelenschwester‘ begegnete. Es begab sich aus heiterem Himmel. Ich war in Kärnten und gerade dabei einen großen Wohnblock zu betreten. Da sah ich eine zarte Frau, bepackt mit Übersiedlungsgut, Richtung Haustür kommen. Ich blieb stehen und hielt ihr die Tür auf.

Unsere Blicke trafen sich. Und da war er, dieser magische Moment. Sie stellt ihre Sachen ab und wir beginnen auf Anhieb sehr vertraut miteinander zu reden, so als hätten wir uns schon ewig gekannt. Es dauerte nicht lange, eigentlich nur den Bruchteil einer Sekunde, der in der anderen keine Fremde sehen, sondern eine Vertraute erkennen ließ.

Als wir uns einige Monate danach wiedersehen und uns zu einem gemütlichen Zusammensein einfinden, ist sie sofort wieder da, diese Vertrautheit, dieses Kennen, dieses Verstehen. Wir lernen uns nun ‚näher‘ kennen, erzählen uns alles, es gibt keine Tabus und kein langsames aneinander Herantasten. Zwei Seelen haben sich getroffen und zeigen sich so wie sie sind, mit allem was dazugehört; denn irgendwie fühlt es sich ohnehin so an, als wüssten wir schon alles Wesentliche voneinander.

Unsere Beziehung ist völlig unkompliziert, anregend, schön und das, obwohl wir uns doch gerade erst getroffen haben. Mein Kopf kann das gar nicht fassen. Von unseren Lebensumständen, Background und solchen Dingen sind wir völlig unterschiedlich, aber im Wesen sind wir uns ganz ähnlich.

S. ist eine charismatische, wunderbare, fleißige, bescheidene und über alle Maßen liebevolle Frau. Sie strahlt aus ihrem tiefsten Herzen heraus und aus ihr fließt ganz von selbst eine tiefe Liebe für alle und alles. Auch sie hat für sich das Schreiben entdeckt. Zur Geburt ihres ersten Enkels hat sie aus ihrer natürlichen Kreativität und ihrem enormen Einfühlungsvermögen heraus ein wunderbares Kinderbuch geschrieben, es kindgerecht und wunderschön illustriert, vertont und zur großen Freude vieler großzügig verschenkt, obwohl sie sich das gar nicht leisten kann.

Unsere tiefe Verbundenheit lässt uns einander immer nah sein, anders als in einer ’normalen’ Freundschaft; wir wissen quasi telepathisch, wie es der anderen geht und was sie braucht. Wir kommunizieren in einer Intimität, wie ich sie nicht einmal von meiner leiblichen Schwester kenne.

Diese magische Begegnung hat eine Beziehung gestartet, in der man sich kennt, ohne sich gekannt zu haben, sich vertraut ohne auf Erfahrungen zurückgreifen zu können, sich auch ohne Worte versteht und einfach so mag, wie man ist, wie man tickt, denn im Wesenskern sind wir irgendwie gleich.

© Doro