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Traditionen – andere Länder andere Sitten

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Traditionen – andere Länder andere Sitten | story.one

Während meiner Aufenthalte in der Türkei konnte ich mehrmals 2 der wichtigsten Feste des Landes miterleben. Sie sind ähnlich bedeutsam wie für uns Ostern und Weihnachten und werden ebenso aufwändig zelebriert.

Bei den 5 Geboten des Islam spielt der Fastenmonat eine große Rolle, der sich wie die religiösen Feste aufgrund des Orientierens am Mondkalender jährlich um 11 Tage nach vorne verschiebt.

An der Westküste scheinen sich nur wenige ans strenge Fasten zu halten; es gibt Leute, die auf Alkohol verzichten, andere die daheim ganz normal essen und solche, die auch untertags in Lokalen speisen. Es nehmen offenbar nur wenige die rigiden Fastenregeln auf sich und essen und trinken tatsächlich nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Ich treffe schwerst arbeitende Männer am Bau, die selbst in der Sommerhitze auf einen Schluck Wasser verzichten. Ausgenommen vom Fasten wären lediglich Kinder, Alte, Kranke und Schwangere.

Beendet wird der Fastenmonat in der Türkei mit dem Ramazan Bayramı oder auch Şeker Bayramı, dem Zuckerfest, das 3 Tage dauert. Wie bei den großen Festen bei uns wird auch hier dafür viel Aufwand betrieben. Ein ‚Osterputz‘ steht an und es wird wie wild eingekauft. In den Geschäften gibt es überall Sale, weil nicht nur Geschenke besorgt werden, sondern auch neue Outfits fürs Feiern. Lebensmittel werden in Unmengen heran gekarrt und es wird aufgekocht, dass sich die Tische biegen. Natürlich gibt‘s auch viel Süßes, die Belohnung fürs Fasten. Gefeiert wird eigentlich die erfüllte Fastenpflicht – egal ob nun gefastet wurde oder nicht. Es kommt die ganze Familie zusammen, viele auch von weither angereist, eben wie 'coming home for Xmas' um den ersten Tag im Kreis der Familie zu verbringen und an den Folgetagen Freunde und Bekannte zu besuchen und mit Süßem zu beschenken.

Das zweite wichtige Fest ist das 4 Tage dauernde Opferfest: Kurban Bayramı, das den höchsten Feiertag in der islamischen Welt darstellt. Es beginnt am letzten Tag des Hadsch nach Mekka und erinnert an den Propheten Ibrahim, der bereit war seinen Sohn Ismail für Allah zu opfern. Es wird vielfach noch immer die Tradition gewahrt, dass jede Familie, die es sich leisten kann ein Tier - Ziege, Schaf oder Kalb - schlachten lässt. In den Vorgärten der schmucken Häuser der ansässigen Bevölkerung habe ich die geschlachteten und zum Verzehr vorbereiteten Tiere gesehen. Das Fleisch wird dabei auf drei Teile aufgeteilt, um es an Familienangehörige, Verwandte/Nachbarn und Bedürftige zu verteilen. Die, die kein Schlachtopfer machen, spenden einen entsprechenden Geldbetrag.

Es zeigt sich, dass alle Länder ihre Traditionen, Bräuche, Sitten und Feste haben, überliefert über Jahrhunderte, die teilweise völlig unterschiedlich sind, aber allen gemeinsam ist, dass alle Menschen, ob sie nun konservativ oder aufgeschlossen, streng religiös oder aufgeklärt sind, es überall lieben diese im Kreise ihrer Familien, Freunden und Nachbarn zu begehen.

© Doro 11.06.2019

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